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Kunstpolitik zwischen den Kaiserstädten 359
Kulturtransfer innerhalb der preußischen und österreichischen Museumslandschaft
Wie das Beispiel der Akademie der Künste zeigt, orientierte sich Schöne in seinen Auf-
gabenbereichen als Kunstreferent auch an Wien und Eitelbergers vielseitiger TätigkeitÂ
–
besonders wenn es um vergleichbare Einrichtungen in Berlin ging.49 So liegt es nahe
zu vermuten, dass dies auch fĂĽr die Berliner Museen gilt. Wenngleich die strukturellen
Erneuerungen des Berliner Museumswesens zum Teil auch durch eine kritische Analyse
der Museumsverwaltungsabläufe in London und Paris erfolgten,50 sollte die bislang von
der Forschung größtenteils unbeachtete Rolle Wiens aus kulturtransfergeschichtlicher
Perspektive nicht unterschätzt werden. Durch entsprechende Forschungen zum Thema
zeichnet sich eine Kontinuität zwischen Wien und Berlin bereits ab, die insbesondere
in der von Schöne für die Berliner Museen verfolgten Personalpolitik zur Geltung kam.
Äußerst wichtig in dieser mehrfachen Orientierung an Wien scheint für Schöne nicht
nur die in Eitelbergers Windschatten gewonnene Erfahrung im Museumswesen, son-
dern auch die Prägung durch Eitelbergers und Moriz Thausings Lehrmethode gewe-
sen zu sein : Deren Charakteristikum war – wie Tanja Jenni und Raphael Rosenberg
betonen – die Quellenkritik gepaart mit der Werkanalyse. Letztere erfolgte durch die
EinfĂĽhrung und den vermehrten Einsatz von Ăśbungen an und vor den Kunstobjekten
im Museum, das als natürliches berufliches Betätigungsfeld des Kunsthistorikers aus-
erkoren wurde.51 Schöne schöpfte also gerne und bewusst aus dem Wiener Kreis um
Eitelberger, wenn er auf der Suche nach den geeignetsten Mitarbeitern fĂĽr die Berliner
Museen war : Die Kunsthistoriker Friedrich Lippmann und Hugo von TschudiÂ
– beide
direkte Mitarbeiter von Eitelberger – sowie in gewisser Weise auch der Archäologe
Alexander Conze, die allesamt Museumsabteilungsdirektoren in Berlin wurden, sind
die im Nachhinein prominentesten Beispiele dieser Personalpolitik. Noch 1904 hebt
49 Ein ähnliches Prozedere war z. B. von Richard Schöne auch für die Berliner Gipsformerei angedacht
gewesen. In diesem Falle wurde aber Schöne abgeraten, sich die Wiener Einrichtung als Vorbild zu
nehmen, vgl. Brief von (vermutlich) Bruno Bucher an Alexander Conze vom 13.12.1878 (Privatbesitz).
50 An dieser Stelle sei z. B. auf Richard Schönes Reisen nach London und Paris in den Jahren 1876
und 1878 und die daraus resultierenden Reiseberichte hingewiesen.
51 T. Jenni/R. Rosenberg, Die Analyse der Objekte und das Studium der Quellen. Wiens Beitrag
zur Etablierung einer universitären Kunstgeschichte, in : Reflexive Innensichten aus der Universität.
Disziplingeschichte zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik (650Â
Jahre Universität WienÂ
–
Aufbruch ins neue Jahrhundert, Bd. 4, hg. von K. A. Fröschl/G. B. Müller/T. Olechowski/B.
Schmidt-Lauber), Göttingen 2015, S.Â
121–134 ; A. Rosenauer, Moriz Thausing und die Wiener
Schule der Kunstgeschichte, in : Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, 36, 1983, S. 135–139 sowie
M. Thausing, Die Stellung der Kunstgeschichte als Wissenschaft, in : Wiener Jahrbuch fĂĽr Kunst-
geschichte, 36, 1983, S.Â
140–150. Mit dem Inhalt von Eitelbergers Vorlesungen in Bezug auf dessen
Kunstauffassung setzt sich auch Alexander Auf der Heyde im vorliegenden Band auseinander.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien