Page - 360 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
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360 Monica Scilipoti
Richard Schöne in seinem Nekrolog auf Friedrich Lippmann hervor, wie bedeutsam
und gewinnbringend Lippmanns Zusammenarbeit mit dem »unvergeßliche[n] Grün-
der des Österreichischen Museums«, Rudolf von Eitelberger, gewesen war.52 In Bezug
auf Tschudi wirft Christian Scholl im vorliegenden Band die interessante Frage auf,
inwiefern seine Kunstauffassung und seine Einkaufspolitik fĂĽr die Berliner Museen
von Eitelberger, der u. a. die Entwicklung der Kunst als eine Folge von Avantgarden
interpretierte, beeinflußt wurden.53 Durch die von Richard Schöne bearbeiteten Sta-
tutenänderungen von 1878 konnten die Berliner Museumsmitarbeiter ihre in Wien
gesammelten Erfahrungen sowohl in ihrer selbstständigen Arbeit als Abteilungsdi-
rektoren als auch in dem weitestgehend demokratischen Entscheidungsverfahren der
dortigen monatlichen Direktorenkonferenzen einbringen und somit die Entwicklung
der Berliner Museen wegweisend mitprägen.54 Auch die Beschlüsse des von Eitelberger
organisierten kunstwissenschaftlichen Kongresses beeinflussten langfristig die Profes-
sionalisierungsprozesse der Berliner Museen : So entstand z. B. unter dem Direktor der
Nationalgalerie Max Jordan der erste wissenschaftliche Bestandskatalog, der sich an den
1873 festgelegten Kriterien orientierte.55
Dass es sich im musealen Bereich um einen Prozess wechselseitiger Rezeption han-
delte, wird spätestens durch Eitelbergers 1882 veröffentlichten Reisebericht deutlich,
der explizit für das österreichische Publikum verfasst wurde. Hatte er 1878 noch stolz
bemerkt, dass »das [Österreichische] Museum […] glücklicherweise nie in die Lage
52 R. Schöne, Zur Erinnerung an Friedrich Lippmann, in : Jahrbuch der Königlich Preussischen
Kunstsammlungen, 25, 1904, HeftÂ
1, S.Â
III–VIII, hier S.Â
IV. Zu den Kunstgelehrten und Museums-
fachmännern, die schon zu Eitelbergers Zeiten als dessen Schüler angesehen wurden, siehe H. Ja-
nitscheks Nekrolog in : Repertorium fĂĽr Kunstwissenschaft, 8, 1885, H.Â
3, S.Â
398–404, hier S.Â
402 ;
U. Kultermann, Geschichte der Kunstgeschichte. Der Weg einer Wissenschaft, MĂĽnchen 1990,
S.Â
151. Über die besondere Beziehung und Mitarbeit zwischen Alexander Conze (1831–1914) und
Eitelberger vgl. den Aufsatz von Karl Reinhard Krierer in diesem Band.
53 Vgl. auch Ch. Scholl, Revisionen (zit. Anm. 38), S. 255–257. Zu Tschudis Kunstauffassung und
Einkaufspolitik siehe B. Maaz, Tschudi, Hugo Aegidius v., in : Neue Deutsche Biographie, 26, 2016,
S.Â
484 f.; S. Benecke, Im Blick der Moderne. Die »Jahrhundertausstellung deutscher Kunst (1775–
1875)« in der Berliner Nationalgalerie 1906, Berlin 1999 ; B. Paul, Hugo von Tschudi und die mo-
derne französische Kunst im Deutschen Kaiserreich (Berliner Schriften zur Kunst, Bd. 4), Mainz
1993.
54 Zu den Statutenänderungen von 1878 u. a. Wehry, Kaiser FriedrichÂ
III. (zit. Anm.Â
4), S.Â
40–42 ; J.Â
J.
Sheehan, Museums in the German Art World. From the End of the Old Regime to the Rise of
Modernism, New York 2000, S.Â
107 f.; Pallat, Richard Schöne (zit. Anm.Â
2), S.Â
138–151.
55 C. Fork, Jordan, Max, in : Metzler Kunsthistoriker Lexikon (zit. Anm.Â
16), S.Â
211–213, hier S.Â
212 ;
R. Eitelberger von Edelberg, Eine österreichische Geschichts-Galerie (Ein Vorschlag aus dem
Jahre 1865), in : ders., Gesammelte kunsthistorische Schriften, II (zit. Anm. 20), S. 53–80, hier
S.Â
62, Anm.Â
1.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien