Page - 361 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
Image of the Page - 361 -
Text of the Page - 361 -
Kunstpolitik zwischen den Kaiserstädten 361
[versetzt wurde] […], einen Paragraph seiner Statuten verändern zu müssen«56 (was
durchaus als indirekter Verweis nach Berlin verstanden werden kann), so war er 1882,
nachdem man in Berlin mittlerweile vier Jahre lang die Statutenänderungen in der Pra-
xis erprobt hatte, voller Lob für die dadurch geschaffenen Veränderungen. Hier ging es
Eitelberger primär um die Organisation der Museen, ein Thema, das in seinen Schriften
immer wieder zur Sprache kommt57 und in Bezug auf die Wiener Gesamtverhältnisse
fĂĽr Eitelberger in den 1880er Jahren noch nicht als abgeschlossener Prozess gesehen
werden konnte : »Denn die Frage der Organisation von Galerien und Museen ist heuti-
gen Tages in Oesterreich, insbesondere in wissenschaftlicher Richtung, noch nicht als eine
abgeschlossene anzusehen. Es dĂĽrfte sich noch ein Anlass finden, die Frage einer er-
neuten Betrachtung zu unterziehen.«58 Einer dieser Anlässe war die 1882 erfolgte Reise
nach Berlin und die daraus resultierende Publikation. In diesem Zusammenhang be-
tonte er die aus seiner Sicht unabdingbare und für Berlin folgenreiche flächendeckende
Stellenbesetzung durch Wissenschaftler, die den Fortschritt ihres Faches mit dem Bil-
dungsauftrag der Museen verbanden und durch die von den Statutenänderungen neu
eröffneten Möglichkeiten den Berliner Museen schlagartig zu einer Vorreiterposition
im Mitteleuropa verholfen hatten. Da bis Mitte der 1880er Jahre nicht nur Eitelber-
ger, sondern auch einige seiner wichtigsten Mitstreiter starben (Alfred Woltmann 1880,
Moriz Thausing 1884), muss die spannende Frage einer möglichen breiteren Reorgani-
sation der Wiener Museen nach dem Berliner Vorbild und einer eventuellen Weiter-
entwicklung offenbleiben.
Fazit
In einer Zeit, in der die Kunst als wichtiger Antrieb des Fortschritts der einzelnen Staa-
ten verstanden wurde, versuchte man trotz der jeweiligen lokalen Unterschiede auch
56 Das vollständige Zitat lautet : »Das Museum war glücklicherweise nie in der Lage, einen Paragraph
seiner Statuten verändern zu müssen, vielmehr öfter in der angenehmen Situation, im Sinne der
Statuten durch neue Anstalten sich zu erweitern.« Vgl. Eitelberger, Die Kunstbewegung in Oes-
terreich (zit. Anm.Â
27), S.Â
84 f.
57 Z. B. in Eitelberger, Die Resultate (zit. Anm. 11), S. 42 sowie ders., Vorwort, in : ders., Ge-
sammelte kunsthistorische Schriften, II (zit. Anm. 20), S. VI und ders., Eine österreichische Ge-
schichts-Galerie (zit. Anm. 55), S. 62, Anm. 1 ; ders., Ein Ausflug nach Berlin im Frühjahr 1882,
Wien 1882. AuszĂĽge von Eitelbergers Berliner Reisebericht mit Kommentar von J. Falckenberg
auch in : Die Berliner Museumsinsel. Impressionen internationaler Besucher (1830–1990). Eine
Anthologie (hg. von B. Savoy/P. Sissis), Wien/Köln/Weimar 2013, S.Â
121–126.
58 Eitelberger, Vorwort (zit. Anm.Â
57), S.Â
VI. Hervorhebung der Verfasserin.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien