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396 Ingeborg Schemper-Sparholz
Frauenarbeit hervorzuheben und schließlich sein persönlicher Einsatz für die Frauen-
arbeit im Rahmen der Wiener Weltausstellung zu analysieren, um die Dimension der
Absichten Eitelbergers für die Rolle der Frauenarbeit in seiner produktiven Ausprägung
wie auch in seinen Einschränkungen begreifbar zu machen.6
Es stellt sich nun die Frage, inwiefern die Sozialisierung Eitelbergers durch die Fa-
milien seiner beiden Ehefrauen Pauline Lederer und Jeanette Lott, die beide in gelehr-
ten Frauenzirkeln verkehrten, den Nährboden für seine Äußerungen zur Frauenfrage
befördert hat.
Familie Lederer
Im Alter von 21Â
Jahren findet Eitelberger als Hauslehrer Aufnahme bei der Familie des
Mediziners Thomas Lederer jun. in Wien. Der Gynäkologe setzte sich etwa für die Ent-
wicklung eines kindergerechten »Kinderzimmers« mit Gehschule und »Gehschrank«
für Kinder sowie für eine »Reformkleidung« für Frauen ein.7 1848 heiratet Eitelber-
ger dessen Tochter Pauline Lederer (1826–1857), die Schwester des Rechtsanwalts und
Wiener Kommunalpolitikers Dr. Moritz Lederer (1832–1921), dessen intensiver Aus-
tausch mit Eitelberger durch gemeinsame Reisen belegt ist und der zudem im Salon der
Josephine Wertheimstein verkehrte. Ebenso stand er in Kontakt mit dem Schriftsteller
Ferdinand von Saar, der, wie bislang ĂĽbersehen wurde, Melanie Lederer, eine weitere
Tochter der Lederer-Familie, ehelichte, die im mährischen Schloss Blansko als Haus-
dame der Familie Salm tätig war.8
6 Als fundamental erweisen sich dabei die Aufzeichnungen von Jeanette Lott ĂĽber ihren Mann, die
vermutlich fĂĽr den Nachruf von Wilhelm Schram von 1887 entstanden sind, sowie der Teilnachlass
Eitelbergers in drei Kartons aus der Wienbibliothek im Wiener Rathaus. Dort befinden sich auch
die zahlreichen Korrespondenzen Eitelbergers mit adeligen wie bĂĽrgerlichen Frauen. Zwei Schrif-
ten Eitelbergers sind darĂĽber hinaus zentral fĂĽr seine Einstellung zur Frauenfrage : R. Eitelberger
von Edelberg, Zur Regelung des Kunstunterrichts fĂĽr das weibliche Geschlecht, in : Mittheilun-
gen des k. k. Österr. Museums für Kunst und Industrie, 7, 1872/73, S. 60–62 ; ders., Kunststudium
und Kunstberuf der Frauen, in : Der Frauen-Anwalt, 3, 1875, S. 57–59. Zur Einschätzung der Prä-
senz von Frauenarbeit im Rahmen der Wiener Weltausstellung 1873 werden zudem entsprechende
Berichte zur Weltausstellung herangezogen, die im Folgenden genau zitiert werden.
7 W. Mentzel, Van Swieten Blog, Med. Univ. Wien, https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=26481
[25.10.2017].
8 E. Kobau, Rastlos zieht die Flucht der Jahre … Josephine und Franziska von WertheimsteinÂ
– Fer-
dinand von Saar, Wien/Köln/Weimar 1997, S. 406–408, siehe auch hier die Publikation der Briefe
von Saar an Josephine von Wertheimstein, S.Â
500–689 ; vgl. den Brief Eitelbergers an Melanie Lede-
rer, Wienbibliothek im Rathaus (im Folgenden kurz »WBR«), H.I.N.Â
50.901.
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Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien