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410 Ingeborg Schemper-Sparholz
Allerdings forcierte die nunmehr auch von Frauen ausgestellte Arbeit ebenso das Sch-
reiben von Männern über Frauenarbeit und Frauenerwerb. Friedrich Pecht ist hier zu
nennen, der die Frauenarbeiten ignoriert und in männlicher Ironie pikante Bemerkun-
gen über das Verhüllen des weiblichen Körpers durch Brüsseler Spitzen fallen lässt :
»Denn da treten wir ins Reich Arachne’s : die Brüsseler Kanten, Blonden und Spitzen,
die sich da entfalten, machen ihre sanfte Überredungsgabe, ihr wundervolles Talent, we-
nig zu verhüllen und doch viel ahnen zu lassen, wo oft gar nichts da ist, geltend !«31
Wie fortschrittlich die Idee war, Frauenarbeiten im Rahmen einer Weltausstellung zu
präsentieren und sogar einen internationalen Frauenkongress abhalten zu wollen, zeigt,
dass letztere Idee erst 1893 in Chicago verwirklicht werden konnte. Wenn Anja Schüler
meint, dass ein separates Frauenkomitee erst bei der Weltausstellung in Philadelphia
1887 aktiv wurde, so scheint sie von dem Wiener Projekt offenbar nichts zu wissen. Das
Scheitern des Welt-Frauenkongresses ist möglicherweise dem Umstand zuzuschreiben,
dass in dem historisch politischen Rahmen der Monarchie dem radikaleren Flügel der
Frauenbewegung keine Bühne gegeben werden sollte.32 In der Zeitschrift Der Frau-
en-Anwalt sieht Eitelberger 1875 die Rolle der Künstlerin mittlerweile in einem ande-
ren Licht mit Rücksicht auf den internationalen Vergleich :
[A]ber die Tatsache steht fest, dass sich in Wien von Jahr zu Jahr die Zahl der Damen ver-
mehrt, die in die Reihe der Künstler einzutreten bestrebt ist. Die Bestrebungen gewinnen an
Bedeutung, wenn man sich erinnert, welch hervorragende Stellung Frauen wie Rosa Bonheur,
Nélie Jacquemart, Elisabeth Ney, Jerichau-Baumann u. s. f. in der Kunst einnehmen. Diese
Tatsachen lassen sich so wenig leugnen, als die didaktischen Erfolge der Kunstgewerbeschule.
[…] Die Frage über den Beruf der Frauen zur Kunst, wenn eine solche auf dem Gebiet der
Kunst hier vorhanden sein sollte, ist positiv erledigt.33
Es ist wohl kein Zufall, dass Eitelberger diese fortschrittlichen Gedanken in einer
Frauenzeitschrift, Der Frauen-Anwalt, publizierte, die von keiner Geringeren als der
Frauenrechtlerin Elsbeth Krukenberg-Conze begründet wurde, einer Tochter des Ar-
chäologen Alexander Conze.34 Resümierend kann festgehalten werden, dass Eitelberger
31 F. Pecht, Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wien 1873, S.Â
23.
32 A. Schüler, Frauenbewegung und soziale Reform. Jane Addams und Alice Salomon im transatlan-
tischen Dialog, 1889–1933, Stuttgart 2004, weist auf ein Statement der deutschen Frauenorganisa-
tionen, die damit ihre Nichtteilnahme an einem Frauenkongress in Amerika begründeten.
33 Zit. nach C. Muysers, Die Bildende Künstlerin. Wertung und Wandel in deutschen Quellentexten
1855–1945, Amsterdam/Dresden 1999, S.Â
259–261.
34 Kalliope-Verbund online, http://kalliope-verbund.info/de/eac?eac.id=117550949 [1.12.2017]. Zu
Alexander Conze vgl. den Beitrag von K.Â
R. Krierer in diesem Band.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien