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Rudolf von Eitelberger und das Berliner Netzwerk des Deutschen Kunstblattes 415
Keineswegs lässt sich daraus schließen, dass Eitelberger der einzige österreichische
Autor war5 und deshalb auf Namensnennung verzichten konnte. Es gab durchaus wei-
tere Autoren und manche Notizen zu Ă–sterreich-Ungarn ĂĽbernahm Eggers aus ande-
ren Zeitungen. Eitelberger wollte offenbar seinen kritischen Beiträgen durch gezielte
Verschleierung seiner Identität eine objektivere und durch das ausländische Medium
einflussreiche Wirkung verschaffen und seine im Aufbau befindliche Karriere nicht ge-
fährden.
Das MaterialÂ
– die Identifizierung von Eitelbergers Beiträgen
Durch 31Â Briefe Eitelbergers an Eggers und drei Briefe von Eggers an Eitelberger
konnte ich ihm 81 Beiträge zweifelsfrei, 21 weitere aufgrund von Inhalt und Diktion
zuschreiben, während zwei Artikel auf Bitten Eitelbergers wegen der Brisanz der The-
men von Eggers paraphrasiert wurden. Einer stammte von Eitelberger selbst (ĂĽber den
Bauplatz der Votivkirche), der andere vermutlich vom Kustos der Ambraser Sammlung
Joseph von Bergmann (1796–1872).6 Einen Artikel Eduard Mellys (1814–1854) leitete
Eitelberger an Eggers weiter.
1850 und 1851 belieferte Eitelberger das Kunstblatt nur mit Korrespondenzen unter
der Chiffre »*Wien«, die bis 1858 sozusagen seine offizielle Chiffre blieb. Aufgrund
eines nicht von ihm stammenden Schmähartikels gegen Franz Thun, der, wie wir später
sehen werden, eine Reihe von Reaktionen nach sich zog, geriet er 1852 unter den Ver-
dacht der Autorschaft und griff ab da häufiger zur Anonymität oder anderen Chiffren
(»**Wien«, »*†*«, »***«). Um »ungenierter schreiben zu können«, wie er Eggers Ende
Dezember 1853 ankündigte, wolle er ab sofort die Initialen »N. O.« benutzen und tat-
sächlich tauchen sie sowohl bei Korrespondenzen als auch bei Artikeln auf, die sich
1854–1856 häuften. Erst 1857 finden sich zwei Beiträge, die mit »E.« unterzeichnet
sind.
5 So E. Springer, Geschichte und Kulturleben der Wiener RingstraĂźe (Die Wiener RingstraĂźe. Bild
einer Epoche, Bd.Â
2), Wiesbaden 1979, S.Â
82.
6 Eitelberger schickte den mit »B.« unterzeichneten Brief am 12.07.1856 an Eggers weiter : »Bei-
liegend erhalten Sie einen an mich gerichteten Brief, zur Benutzg als Material um gegen die Ver-
legg der Ambraser Samg. nach Ambras in Tirol zu sprechenÂ
– wenn es Ihnen conveniert. Es ist die
Sache ein rechter Skandal, doch fassen Sie die Angelegenheit mit Samthänden an, da die höchsten
Personen dabei intervenieren.« Eggers veröffentlichte die Notizen über Ambras (»Die Verlegung der
Ambraser Sammlung«) anonym in Deutsches Kunstblatt (im Folgenden kurz »Kunstblatt«) Nr. 32,
07.08.1856, S.Â
277–279. Joseph von Bergmann war aktives Mitglied der Central-Commission.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien