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422 Elisabeth Ziemer
endlich Ernst. […] Wie es heisst, soll eine grosse Anzahl von Lehrern entfernt und
neue, jüngere Kräfte berufen werden […].«17
In der folgenden Nummer ließ er Eggers die amtliche Publikation von Leo Thuns
Vorlage über die Akademie abdrucken, die der Kaiser am 8. Oktober genehmigt hatte.
Im Februar 1851 erläuterte Eitelberger ausführlich die Neueinrichtung der Elementar-,
Zeichen- und Modellierschule, die der Akademie angegliedert wurde, samt der Auf-
räumarbeiten im »verwahrlosten« Vorlagenmaterial, das er u. a. durch Kopien aus der
ihm gut bekannten Böhmischen Kunstsammlung bereicherte.18 Danach stellte er die
vier Abteilungen der Akademie vor, lobte als besondere Neuerung die Wahlfreiheit der
Schüler bei den Meisterateliers und die Förderung der talentiertesten Schüler der Kup-
ferstecherschule durch Aufträge der Akademie, um »für die Entwicklung eines Kunst-
zweiges zu sorgen, der bei uns leider so sehr herabgekommen ist, dass nicht einmal den
handwerklichen Anforderungen Genüge geleistet wird«.19
Im November 1852 meldete Eitelberger den baldigen Abschluss des Reformpro-
zesses. Neue Professoren seien berufen und als Direktor Christian Ruben eingesetzt
worden, »der sich um die Reorganisation der Prager Akademie bedeutende Verdienste
erworben« habe.20
Mit Ruben war die provisorische Leitung obsolet geworden. Eitelberger war schon
Ende 1851 ausgeschieden, hatte aber statt der erhofften ordentlichen Professur an der
Universität nur ein Stipendium für eine Italienreise bekommen. Doch wurde er am
9. November 1852, wenn auch nur als außerdordentlicher Professor, an der Universität
angestellt.21 Selbst diese Professur war zeitweise gefährdet, hatte sich doch während
Eitelbergers Auslandsreise eine Fehde entwickelt, die nach seiner Rückkehr im Sommer
1852 einen heftigen Niederschlag im Kunstblatt fand.
Die Kunstverein-Affäre
Anfang August 1852 erschien ein anonymer Bericht Der österreichische Kunstverein in
Wien, der Gründung (Juni 1850) und Arbeit dieses neuen Vereins als großen Erfolg
gegenüber dem alten, angeblich die Mittelmäßigkeit fördernden, das Ausland ausschlie-
17 Korrespondenz, in : Kunstblatt, 1, Nr.
46, 18.11.1850, S.
366.
18 Korrespondenz [Reorganisation der Kunstakademie], in : Kunstblatt, 2, Nr.
7, 17.02.1851, S.
54 f.
19 Korrespondenz [Die Reorganisation der Akademie], in : Kunstblatt, 2, Nr. 8, 24.02.1851, S. 63 f.,
hier S.
64.
20 Kunstbericht aus Wien II., anonym, in : Kunstblatt, 3, Nr.
46, 13.11.1852, S. 391–393, hier. S.
391.
21 Springer nimmt an, weil sich Melly für ihn bei Bach eingesetzt habe. Springer, Wiener Ringstraße
(zit. Anm.
5), S.
42.
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Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien