Page - 423 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
Image of the Page - 423 -
Text of the Page - 423 -
Rudolf von Eitelberger und das Berliner Netzwerk des Deutschen Kunstblattes 423
ßenden Kunstverein feierte. Heider und Melly waren Gründungsmitglieder und auch
Eitelberger hatte den neuen Verein in seinen Korrespondenzen zunächst positiv gewür-
digt.22 Der Verfasser behauptete, dass der alte Kunstverein in Verbindung mit der Aka-
demie und »des ganzen Trosses des Kunstproletariats […] den Krieg gegen den österrei-
chischen Verein mit den unwürdigsten Mitteln« begonnen habe.23 In der Oktoberfort-
setzung des Artikels schilderte der Autor, wie auf der Generalversammlung des neuen
Vereins Graf Franz Thun von dieser Partei »zur Führung eines gut gewählten Angriffs
benutzt wurde«, um in die Statuten den Ankauf monumentaler Kunst einzubringen. Das,
so der Verfasser, sei nur dazu da, »die höchst dringliche Vermehrung der Beschäftigung«
anzukurbeln, »welche den Schülern der vorzeitig an der Akademie etablirten Meister-
schulen so nöthig wäre, um die Existenz und Kostspieligkeit dieser theoretischen Ein-
richtung rechtfertigen zu können«. Die Vereinsmitglieder wollten ihr Geld aber nicht auf
»solche Abstraktionen ausgegeben wissen« und so sei der österreichische Kunstverein
»aus diesem ersten Kampfe gegen mächtige Gegner siegreich hervorgegangen«.24
Eitelberger schrieb darauf einen Brandbrief an Eggers, denn einerseits geriet er bei den
Thuns unter den karrieregefährdenden Verdacht der Autorschaft und außerdem wurden
die von ihm unterstützten Reformen an der Akademie und ihre Leitung angegriffen.
Verehrter Freund !
Wie kon[n]ten Sie einen Artikel aufnehmen, wie den, in No 41, der voll ist von Verdreh[un]
g[e]n u Injurien !
– Als ich in den Blättern nach No
32 die Fortsetz[un]g des Kunstvereinsarti-
kels aus Wien vermißte, schrieb ich das dem Umstande zu, daß Sie den höchst partheiischen
Standpunkt des Berichterstatters wahrgenom[m]en haben. Ich bedaure sehr, mich darin ge-
täuscht zu haben.
Ihr Blatt genoß hier, und genießt fort den Ruf eines unpartheiischen Organs für Kunst, das
fern steht von allen Parthei- u Geschäftsmanövers der Kunstvereine u K[un]sthändler, und
Kunstvereine überhaupt mehr als ein nothwendiges Uebel, u nicht als ein Institut betrachtet,
das man mit Mitteln – die an u für sich schon verwerflich sind – vertheidigt. Ich hege vor
Ihrem ehrenwerthen Charakter viel zu viel Achtung, als daß es mir beifallen könnte, Ihnen
irgend einen Ihrer Ehre nahetretenden Vorwurf über die Aufnahme des Artikels machen zu
wollen. Ich hege die Vermuth[un]g, daß Sie, der Sie mit den hiesigen mitunter sehr kleinlichen
Verhältnissen nicht bekan[n]t sind, die mehr oder minder verdeckten Angriffe auf hier allge-
mein geachtete Kunstnotabilitäten, – die ersten u einzigen welche wir haben – nicht heraus-
fanden oder übersahen.
22 Korrespondenz, 1. Teil, in : Kunstblatt, 1, Nr.
27, 08.07.1850, S.
215.
23 Der österreichische Kunstverein in Wien, in : Kunstblatt, 3, Nr.
32, 07.08.1852, S.
276.
24 Der Kunstverein in Wien (Fortsetzung), in : Kunstblatt, 3, Nr.
41, 09.10.1852, S.
351 f., hier S. 352.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien