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Rudolf von Eitelberger und das Berliner Netzwerk des Deutschen Kunstblattes 425
die ihre Neutralität erst dann aufgab, als sie durch kunstfeindliche, den Bestand und die Rich-
tung der österreichischen Kunstvereine gefährdende Machinationen Thuns veranlaßt war, auf
die Seite des Vereins für die Zeit der Krise zu tretten. […] Daß diese Weigerung nicht aus
irgend einer persönlichen Scheu entspringt, geht daraus hervor, daß ich Dr Eitelberger, als er
mir seine Verlegenheit, gegenüber dem Grafen Thun als Verfasser der Entgegnung zu gelten,
schilderte, offen Veranlassung und Hergang mittheilte, und daß der Graf selbst auch je[t]zt
noch keinen Augenblick zweifelt, daß ich der Vf. sei.30
Am 29. Dezember reagierte Franz Thun abschließend auf einzelne Vorwürfe von Graf
Waldstein, während er den anonymen Schreiber »gänzlich unbeachtet fallen lassen zu
sollen« glaubte, da er sich nur in persönlichen Angriffen ergehe.31
Dass sich durch diese Affäre die erhoffte Karriere Mellys im Staatsdienst zerschlug,
scheint nicht allzu abwegig, und dass Eitelberger seine Loyalität unter Beweis stellen
musste, sollte es ihm nicht ähnlich gehen, ebenfalls.
Er tat dies im Januar 1853, immerhin ohne Mellys Meriten zu unterschlagen : »Das
neue Jahr beginnt für unsere Kunst unter den günstigsten Auspicien.« Eine Kommis-
sion für die Erhaltung und Erforschung der Baudenkmale sei erstmalig zusammenge-
treten, darin u. a. Franz Thun, Ruben und der die Geschäfte leitende Gustav Heider. Es
sei der entschiedene Wille der Beteiligten, dass »praktische Resultate« aus ihrer Arbeit
hervorgehen sollen. Der schon lange von Melly und anderen geplante archäologische
Verein könne hoffentlich nun realisiert werden, denn er sei eine wünschenswerte Er-
gänzung zur Kommission, da vieles von Vereinen besser und schneller als durch die Ver-
waltung erledigt werden könne.32 Der Verein wurde tatsächlich am 3. Februar 1854 als
Alterthumsverein für Ober- und Nieder-Österreich genehmigt.33 Melly war zu dieser Zeit
schon schwerkrank und starb am 22.
Oktober 1854.34
30 Melly an Eggers, Wien, 30.11.1852.
31 F. Graf Thun, An die Redaktion des Deutschen Kunstblattes in Berlin, in : Kunstblatt, 4, Nr. 4,
22.01.1853, S.
36.
32 Kunstbericht aus Wien, in : Kunstblatt, 4, Nr. 5, 29.01.1853, S. 37 f. Wegen der heftigen Auseinan-
dersetzung griff Eitelberger hier zur Anonymität und im Folgenden auch zu neuen Chiffren.
33 Korrespondenz, in : Kunstblatt, 5, Nr. 17, 27.04.1854, S. 152. Unter neuer Chiffre »*†*« berichtete
Eitelberger über das provisorische Komitee ; das definitive »wird wahrscheinlich und hoffentlich
eine Veränderung in einigen Mitgliedern zeigen«. »Die Ehre, die Gründung eines solchen Vereines
angeregt zu haben, gebührt […] vorzugsweise den Herren Dr. E. Melly, Dr. G. Heider, L. Ernst und
Wohlfahrt.« In Nr.
28, 13.07.1854 (Korrespondenz), benennt Eitelberger, anonym, das neu gewählte
Komitee, in dem er nun selbst sitzt.
34 Der anonyme Nekrolog im Kunstblatt, 5, Nr.
48, 30.11.1854, S.
429 ist vermutlich von Eitelberger.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien