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Rudolf von Eitelberger und das Berliner Netzwerk des Deutschen Kunstblattes 429
Die Kunstgeschichte hat vielerlei Bereicherungen zu erwarten, dem KĂĽnstler werden neue
Anregungen zukommen, und das Volk, das im besten Falle gleichgĂĽltig an den Monumenten
vorĂĽberging, wird seine warme Theilnahme, die es hier Kunstwerken ĂĽberhaupt schenkt, auch
der Klasse unter denselben zuwenden, die mit seiner Geschichte auf das innigste verschwistert
sind.49
Handelsminister Karl Ludwig von Bruck, der wegen der ihm unterstellten Bauverwal-
tung federführend gemacht wurde, veränderte jedoch den Entwurf so, dass der Staat
zwar mittels einer Central-Commission die Denkmalpflege steuern, ihre Finanzierung
aber hauptsächlich engagierten Vereinen und Privatpersonen überlassen sollte.50 Melly
protestierte im Januar und Februar 1851 im Wanderer in einem anonymen, scharfen Ar-
tikel gegen die vom Kaiser am 31.Â
Dezember 1850 schon sanktionierte Verordnung und
Eitelberger assistierte ihm, indem er am 2.Â
März 1851 einen weiteren kritischen Artikel
Mellys an Eggers schickte :
Beiliegend folgt ein Artikel über ’Die Staatsanstalt zur Erhaltung der historischen Denkmale
in Oesterreich´ den ich nicht als Artikel von ’Wien´ aus, sondern von ’Brünn im Februar´ zu
geben bitte, damit dem Verfasser dieses mit dem Stoffe vertrauten, in der Archäologie sehr er-
fahrenen Schriftstellers hier keine Unannehmlichkeiten erwachsen.
Ich habe selbst schon in dem Artikel jene Stellen weggestrichen, wo der Verfasser gegen die
Haltung Ihres Blattes hingerissen von den allerdings unverzeihlichen Schwächen der Arbeit
des Ministeriums, von der Sache zu sehr auf Persönlichkeiten überzugehen schien.51
Frodl nimmt an, dass Heider und Melly ĂĽber Franz Thun Einfluss auf Leo Thun nah-
men, denn der schlug schlieĂźlich eine Kommission vor, die die Konstruktion der Staats-
anstalt noch einmal anhand der im Ausland geltenden Gesetze durchleuchten sollte.
Unter Leitung von Franz Thun sollte sie u. a. mit Melly, Heider und Eitelberger besetzt
werden.52
Es gelang zwar nicht, die kaiserliche Verordnung zu ändern, und durch Brucks Ab-
gang und die Reorganisation der Ministerien kam es auch erst im Januar 1853 zur Ein-
berufung der Central-Commission unter Karl von Czoernig. Aber das Handelsminis-
49 Korrespondenz, in : Kunstblatt, 1, Nr.Â
37, 16.09.1850, S.Â
293Â
f, hier S. 293.
50 Die Konservierung/Restaurierung öffentlicher Bauten sollten die zuständigen Ressorts finanzieren,
fĂĽr besondere Projekte musste manÂ
– ähnlich wie in PreuĂźenÂ
– einen Antrag an den Kaiser stellen.
51 Eitelberger an Eggers, o. O. (Wien), 02.03.1851. Der Artikel erschien im Kunstblatt, 2, Nr. 13,
31.03.1851, S. 97–99, unterzeichnet »Brünn, im Februar. V. Z.« Eitelberger verriet übrigens nicht,
dass Melly der Autor war. Das tat Melly selbst in seinem Brief an Eggers vom 30.11.1852.
52 Frodl, Idee (zit. Anm.Â
44), S.Â
81.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien