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432 Elisabeth Ziemer
und praktischen Geist, mit welchem das Unternehmen geleitet wird. R. v. Eitelberger
eröffnet in einem mit Einsicht und Wärme geschriebenen Aufsatze, worin die Aufgabe
der Alterthumsforschung in Oesterreich klar präcisirt wird, die Reihe der Mittheilun-
gen.«58
Eitelberger hatte in seiner Einleitung politisch geschickt auf die nationale Eitelkeit
gezielt und Die Aufgaben der Alterthumskunde in Österreich unter das Motto Montalem-
berts »les longs souvenirs font les grandes nations« gestellt. Allerdings sei man so weit
noch lange nicht, die Forschungen Frankreichs, Englands, Italiens, Deutschlands, der
Schweiz und Belgiens seien viel weiter gediehen, wobei er u. a. auf Kugler und Lübke
hinwies. Diesen Ball griff Lübke auf und wandte ihn gegen das gelobte Preußen – ein
von Quast könne nicht alle Arbeiten allein bewältigen, von offizieller Seite müsse die
planmäßige Erforschung der Denkmäler in die Hand genommen werden : »Oder soll
Oesterreichs Beispiel für uns verloren sein ?«59
Immerhin hatte der preußische Kultusminister am 18. Juli 1855 eine Zirkularverfü-
gung an die Provinzialregierungen erlassen, die Lübkes Vorschule zur Geschichte der Kir-
chenbaukunst des Mittelalters als Hilfsmittel zum Verständnis der Denkmäler empfahl,60
und am 27.
September 1855 genehmigte Friedrich Wilhelm
IV. einen Zuschuss für die
Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst, die von Quast zusammen mit Heinrich
Otte (1808–1890) herausgeben wollte. Sie sollte ein Äquivalent zu Didrons ab 1844
erscheinenden Annales archéologiques sein. Von Quast wollte sie mit Kupfer- oder Stahl-
stichen und in den Text eingedruckten Holzstichen versehen.61 Sie erschien 1856 und
185862, doch scheiterte sie am Desinteresse des Königs.63
58 W. Lübke, Rezension der Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Er-
haltung der Baudenkmale, 1. Jg., 1856, in : Kunstblatt, 7, Nr.
15, 10.04.1856, S.
131 f.
59 Ebenda, S.
132.
60 A. von Wussow, Die Erhaltung der Denkmäler in den Kulturstaaten der Gegenwart. Im Auftrag
des Herrn Ministers [v. Goßler] der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten nach
amtlichen Quellen dargestellt, Berlin 1885, 2
Bde., hier 2.
Bd., S.
71.
61 Den Antrag stellten Kultus- und Finanzminister am 20.09.1855 gemeinsam an den König. In :
GStA PK, I.
HA Rep.
89, Geh. Zivilkabinett, jüngere Periode, Nr.
20768, Bl.
111–113.
62 Das erste Heft rezensierte Eitelberger empfehlend in den Mittheilungen der k. k. Central-Commis-
sion zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, 1, 1856, S.
187 f.
63 Am 24.
Juli 1857 berichtete Kultusminister Karl Otto von Raumer dem König, dass die erneut von
Quast beantragten Mittel für diverse Fonds und seine Zeitschrift vom Finanzminister abgelehnt
worden seien. Der König möge von Quast davon in Kenntnis setzen. Der König antwortete, das
solle von Raumer selbst tun. Ebenda, Bl.
116–119.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien