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»Eitelberger von Edelberg, Rudolf«, in : Allgemeine Deutsche Biographie 443
seine Art war, aus dem Beispiel der Fremde Lehren fĂŒr die Heimath zu ziehen. Weit-
ausschauenden Blick verrĂ€th auch die anlĂ€Ălich der Wiener Stadterweiterung im Verein
mit Ferstel veröffentlichte Studie ĂŒber StĂ€dtegrĂŒndungen. Von ungleich gröĂerer Be-
deutung fĂŒr E. wurde aber die Londoner Weltausstellung vom Jahre 1862. Erzherzog
Rainer, damals österreichischer MinisterprÀsident, war nach London gekommen und
hatte mit lebhaftem Interesse die Fortschritte des englischen Kunstgewerbes infolge der
GrĂŒndung des South-Kensington-Museums und der damit verbundenen Kunstgewer-
beschule verfolgt und den Gedanken gefaĂt, dieses Unterrichtssystem auf Oesterreich
zu ĂŒbertragen. In weiterer Verfolgung seines Gedankens hatte der Erzherzog E. zur
AusfĂŒhrung dieses Planes ausersehen.
Keine Aufgabe hÀtte dem lehrhaften, stets auf praktische Ziele ausgehenden und
thatkrĂ€ftigen Wesen Eitelbergerâs entsprechender sein können als diese. Bereits am
7. MÀrz 1863 erfolgte mittelst kaiserlichen Handschreibens an den Erzherzog die
GrĂŒndung des »Oesterreichischen Museums fĂŒr Kunst und Industrie«, dessen Protector
der Erzherzog wurde. Das Museum wurde nun Eitelbergerâs groĂes Lebenswerk, dem
er mit der ganzen Hingebung seiner feurigen Seele bis ans Ende seiner Tage treu blieb.
Am 31.Â
MĂ€rz 1864 erfolgte die Ernennung Eitelbergerâs zum Director des Oesterr. Mu-
seums, und schon am 12. Mai wurde es eröffnet. Der Kaiser hatte zunĂ€chst in groĂher-
zigster Weise seine eigenen Sammlungen und ein HofgebÀude, das ehemalige Ballhaus
auf dem Ballplatze zur VerfĂŒgung gestellt ; Stifte, Klöster und Aristokraten waren dem
erhabenen Beispiele gefolgt und hatten die erste Ausstellung mit werthvollen Kunstob-
jecten beschickt. Bald bildeten auch AnkĂ€ufe und Geschenke den Grundstock fĂŒr die
Anlage einer stĂ€ndigen Sammlung, deren Anordnung nach dem von Semper fĂŒr das
South-Kensington-Museum entworfenen System durch den inzwischen zum Custos
ernannten Jakob Falke erfolgte, wĂ€hrend Franz Schestag der neu begrĂŒndeten Biblio-
thek und Ornamentstichsammlung vorstand. Die Professur an der UniversitÀt behielt
E. auch weiterhin bei, die Redaction an der Wiener Zeitung dagegen legte er nieder. In
dieser Zeit erfolgte auch seine zweite VermÀhlung und zwar mit Marie Lott, der Toch-
ter des bekannten Göttinger UniversitÀtsprofessors.
Das Museum erwarb sich rasch Gönner und Freunde in den weitesten Kreisen.
UnterstĂŒtzt von einem Curatorium, das seine Aufgabe mit Thatkraft und liebevollem
Eifer erfaĂte, gelang es, hervorragende Industrielle, wie Lobmeyr, Ed. Haas, Hollenbach
und andere, fĂŒr die reformatorischen Absichten des Museums zu gewinnen, und regel-
mĂ€Ăige Abendvorlesungen versammelten ein lernbegieriges Publicum aus den besten
Kreisen der Residenz in den RÀumen des Hauses, das sich unter diesen UmstÀnden
bald als zu klein erwies. [737]Â E. selbst betheiligte sich an diesen Vorlesungen in her-
vorragender Weise. Stets lag ihnen eine praktische oder wissenschaftlich erziehliche,
oft auch eine polemische Tendenz zu Grunde. Er sprach nicht glatt und flieĂend, die
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂŒdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien