Page - 444 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
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444 Josef Folnesics
Worte überstürzten sich, die Satzconstructionen verwickelten sich manchmal in ein-
ander. Gewöhnlich eilte der Gedanke dem Worte voraus. Dennoch aber strotzte seine
Rede von lebendiger Kraft und ungewöhnlicher Fülle anregender Ideen. Er verstand
es, seine ganze Seele in sein Wort zu legen, und wie es hinausklang, frei, überzeugend,
warmherzig und ohne peinliche Rücksicht auf fremde Empfindlichkeiten, so wirkte es
auch fort in den Gemüthern seiner Hörer. Von der Bedeutung der Presse im öffentli-
chen Leben hatte er eine so hohe Meinung, daß er es nie versäumte, mit ihr in engster
Fühlung zu stehen. Ueberdies gründete er durch die Herausgabe der »Mittheilungen
des Oesterreichischen Museums« ein Organ, in dem er alle intimen Vorgänge, Wünsche
und Bestrebungen seines Institutes vor die Oeffentlichkeit zu bringen vermochte.
Drei Jahre nach Gründung des Museums erfolgte, zunächst in provisorischen Lo-
calitäten, die Eröffnung der Kunstgewerbeschule, für die die geeignetsten Lehrkräfte
(Storck, Laufberger, Sturm, König, Teirich, Rieser) herbeizuschaffen, Eitelberger’s
nächste Sorge war. 1868 begann an der Ringstraße der nach Ferstel’s Plänen aufgeführte
Neubau des Museums, der 1871 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Sechs
Jahre später, 1877, wurde der Neubau der Kunstgewerbeschule vollendet. Eitelberger’s
wissenschaftliche Thätigkeit ruhte inzwischen nicht, trat aber doch in den Hintergrund.
Die wichtigste Publication dieser Periode war die von ihm begründete Herausgabe der
Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Re-
naissance, an der außer ihm eine ganze Reihe von Kunstgelehrten betheiligt war.
Die Wirkung der unter Eitelberger’s Führung stehenden Institute nach praktischer
Richtung trat in den Ausstellungen modernen Kunstgewerbes bald deutlich hervor. Be-
reits die 1871 zur Eröffnung des neuen Hauses veranstaltete Ausstellung modernen
Kunstgewerbes zeigte ein erfreuliches und bisher ungewohntes Bild. Die Weltausstel-
lung von 1873 fand das österreichische, und namentlich das Wiener Kunstgewerbe,
schon durchwegs in neuen Bahnen. Die Münchener Ausstellung von 1876 sowie die
Ausstellungen in Amsterdam und Antwerpen, vor allem aber die Pariser Weltaus-
stellung vom Jahre 1878 bewiesen auch dem Auslande den erfolgreichen Einfluß des
Museums und seiner Schule auf die Entwicklung des Kunstgewerbes. Nach diesen Er-
rungenschaften begann, um die Wirkungen des Central-Institutes über ganz Oester-
reich zu verbreiten, die Gründung und der allmähliche Ausbau des kunstgewerblichen
Fachschulwesens. Auf diesem Gebiete war wohl Dumreicher der eigentliche Schöp-
fer und Organisator, aber auch für ihn bildete der Rath und die Erfahrung des älteren
Freundes eine werthvolle und nie außer Acht gelassene Richtschnur. E. war Präsident
der Fachschulcommission und Beirath für Kunstangelegenheiten im Ministerium für
Cultus und Unterricht. Auf diese Weise war er in der Lage, auf das gesammte Kunst-
leben in Oesterreich etwa 25 Jahre hindurch entscheidenden Einfluß zu nehmen. So
war die Reorganisation der Akademie der bildenden Künste im wesentlichen sein Werk.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien