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angelangt war, ließ er den Hof in Ungewißheit, ob
sie seine rechtmäßige Gatinn oder seine Konkubine
sey. Dieß hatte natürlich für die Unglückliche die
drückendsten Folgen, und da sie bereits Mutter ei-
ner Tochter geworden war, beratschlagten die Hof-
leute noch immer, ob man sie beizubehalten oder
gelegentlich fortzuschicken habe. Eduard, der vom
Protestantismus zur katholischen Kirche übergetreten
war, hatte den päbstlichen Gesandten zu Venedig
zum Taufzeugen seiner in Italien gcborncn Tochter
erbethen, der aber nicht in seinem öffentlichen Cha-
rakter, sondern als Privatmann erschien, denn auch
er zweifelte, wie Jedermann, an der rechtmäßigen
Ehe des Markgrafen, und wollte in hieser Sachc den
päbstlichen Stuhl nicht kompromittiren.
Schon war Maria einer zweiten Entbindung
nahe, als Eduard endlich, wohl mehr aus Rücksicht
auf das noch ungeborne Kind, als auf die Mutter,
in einen Schritt willigte, der diesem zweifelhaften
Zustande ein Ende machen sollte. Er ließ sich am
1.4. May 1693 im Schlosse zu Baden nochmahls
förmlich mit seiner Gemahlinn trauen. Aber in dem
Betragen des Fürsten lag für die Unglückliche eine
neue Demüchigung. Er erschien in der Hofkapelle
ohne Mantel, in Hosen und Wamms, und sogar
in Pantoffeln! Auch dießmahl wurden weder Ehe-
pacte noch Witthum verabredet. Wenige Monats
Ruinen
oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Volume 1
- Title
- Ruinen
- Subtitle
- oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen
- Volume
- 1
- Author
- Gerhard Dützele von Coeckelberghe
- Publisher
- Lechner, Univ.-Buchhändler
- Location
- Wien
- Date
- 1834
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 8.82 x 14.39 cm
- Pages
- 202
- Keywords
- Sagen, Legenden, Märchen
- Categories
- Geschichte Vor 1918