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komm und folge mir in jene stillen Thaler, wo wir
uns ungestört der Liebe freuen können.«
Aber der Retter antworteten »Nur in meiner
Heimath werd' ich Liebe finden; doch denkst du
edel, so rette mich!« — »Nur Liebe kann dich ret-
ten,« entgegnete die wohlklingende Stimme, »nur
in meinen Armen wirst du Freyhcit finden.« — »Nur
wer Treue übt,« antwortete Edelmuth, ist wahr-
haft frep; und so wahr ich ein Ritter bin, werde
ich mein Gelübde nicht brechen.«
Da verschwand die Erscheinung,, und tiefe
Sehnsucht ergriff den Gefangenen nach seiner Ge-
liebten.
Auch diese hatte unterdessen schwere Kämpfe
zu bestehen, doch wankte ihre Treue gegen den Er-
korncn nicht. Als endlich die flehentlichsten Bitten
über ihren harten Vater nichts mehr vermochten,
und er sie zur Vermählung mit dem Grafen von
Schwarzenberg zwingen wollte, entfloh Minna
aus der väterlichen Burg, von einer getreuen Zofe'
begleitet.
Die Flüchtlinge bestiegen einen leichten Nachen,
und fuhren, im Dunkel der Nacht, den Strom
hinab. Gegen Morgen kamen sie an den schroffen
Abhang eines Berges, dessen Gipfel von uralten
Eichen bedeckt war. Hier landeten sie, um einen Zu-
fluchtsort zu suchen ^ und gaben den Nachen den
Wellen Preis. Durch dichtes Gebüsch und Dornge-
Ruinen
oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Volume 2
- Title
- Ruinen
- Subtitle
- oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen
- Volume
- 2
- Author
- Gerhard Dützele von Coeckelberghe
- Publisher
- Lechner, Univ.-Buchhändler
- Location
- Wien
- Date
- 1834
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.85 x 28.96 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Märchen, Legenden, Sagen
- Categories
- Geschichte Vor 1918