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eröffnen, daß unsere 2lg n e s die Gcmahlinn H ei n-
r i ch's von Brau n sch w e ig ist.
Der Pfalzgraf stand sprachlos vor Ingrimm;
ohne ein Wort hervorzubringen, verließ er das Ge-
mach, und stürmte hinab in den Garten. Die Pfalz-
gräfinn kannte seinen Sinn und seine Weise, und
cs war ihr ein gutes Zeichen, daß er seinen Zorn
nicht in Drohungen ausgeschüttet. Nach ungefähr
einer halben Stunde trat er wieder zu ihr herein,
zwar etwas finster und rasch, doch ohne Heftigkeit.
Nie kam Heinrich in den Thurm? fragte er.
»Er schwamm hinüber.«
»Durch wen erhielt er Bothschaft?«
»Durch mich.«
»Wer machte den Briefträger zwischen dir und
Agnes?«
»Die Taube des Vurgvogts.«
Der Pfalzgraf schritt jetzt das Zimmer einige
Mahl auf und ab und schien nachzudenken. Die
Pfalzgräfinn folgte ihm mit unverwandten Blicken,
denn sie verstand es, in seinen Geberden zu lesen.
Er stellte sich an das Fenster mit untergeschlagenen
Armen, und schaute lange den Strom hinab. Der
Thurm soll mir doch nicht umsonst gebaut sepn, sag-
te er endlich für sich hin.
Was mepnt mein Herr und Gemahl? fragte
die Pfalzgräfinn mit schmeichelnder Stimme.
Ich mepne, versetzte der Pfalzgraf, ich mepne,
Ruinen
oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Volume 3
- Title
- Ruinen
- Subtitle
- oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen
- Volume
- 3
- Author
- Gerhard Dützele von Coeckelberghe
- Publisher
- Lechner, Univ.-Buchhändler
- Location
- Wien
- Date
- 1834
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.32 x 29.0 cm
- Pages
- 204
- Keywords
- Märchen, Legenden, Sagen
- Categories
- Geschichte Vor 1918