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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 123 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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IV.3 Salzburg: Salzburg (Stadt) – Bürgerspital, Bruderhaus und Leprosenhaus (Kommentar Nr. 31–35) 123 einer kleineren als Puppe gekleideten schmerzhaften Mutter von Holze in einem Glaskas- ten, und der Seitenaltar eine andere gemahlte Muttergottes, Maria zu Dorfen, in einem Glasrahme[n] enthält. Eine kleine Emporkirche hat ein Musikchörchen nebst einer kleinen Orgel. Der Haupteingang in dieses Kirchlein ist von der Strasse. Im Inneren der Kirche zur linken sind 2 Thüren, wovon eine in die Sakristey, die andere in das Leprosenhaus führt“6. Wie aus den Statuta ersichtlich ist, die erst 1619 ihre Verschriftlichung erfuhren und bis 2003 von der Forschung unentdeckt blieben7, oblag die eigentliche Verwaltung und Aufsicht im Haus einem bezahlten Hausvater und dessen Ehegattin, der Hausmutter8. Die 26 Verhaltensregeln dienten dabei als strenge Richtschnur für den Siechenmeister, den Hausvater und die Insassen, welche als Hauskinder tituliert wurden. Vor allem religi- öse Belange wie Messbesuche, das Rosenkranzgebet und andere Gebete bildeten wie üb- lich den zentralen Punkt der Vorschriften, zusätzlich finden sich Vorgaben zur Aufnahme von Siechen, zur Vermeidung von Krankheitsübertragungen, weiters diverse Verhaltens- punkte für das friedliche Zusammenleben der Hausinsassen, strenge Heiratsverbote und Anordnungen für die Betreuung der bettlägerigen Patienten durch die Mitbewohner/in- nen. Verboten waren der unerlaubte Ausgang aus dem Spital und jegliche Form von un- fueg sowie unkheüschheit. Behandelt werden ferner Fragen der Sicherheit des Gebäudes, da man sich stets vor der allgegenwärtigen Brandgefahr hüten musste. Die guette instruction sollte vom Hausvater auch vier Mal jährlich verlesen werden und musste in der Stube in dem angesicht aufgehängt werden9. Über die Ernährung der Hauskinder äußern sich die Statuten nicht, ein gesonderter Wochenspeisenplan aus der Zeit um 1790 liegt vor10. Im frühen 19. Jahrhundert öffnete das Leprosenhaus, das weiterhin eine wichtige Rolle in der unentgeltlichen Armen- und Krankenversorgung spielte, seine Tore zumindest für das interessierte Publikum, das über die Anstalt berichten wollte. Der Wiener Beamte, Kon- trollor des k. k. Waisenhauses und Topograph Adalbert Joseph Krickel (1791–1847), ein begeisterter Fußreisender, der sich durch seine Tätigkeit auch für die Benachteiligten der Gesellschaft interessierte, überlieferte eine beeindruckende Situationsbeschreibung seines Besuchs aus dem Jahr 1829: „Der Sohn des Hausvaters in dem Versorgungshause für un- heilbar Kranke zeigte mir diese Anstalt. Ich wollte aber, ich hätte sie nie gesehen, denn mein Herz blutete bei dem Anblicke dieser Bedauernswürdigen, und ich fühlte bei manchen, trotz der herrschenden Reinlichkeit, einen Ekel, welcher mich den folgenden Tag noch auf die Unglücklichen erinnerte. Ein sein Elend nicht fühlender Halb=Cretin (Trottel) mit einem ungeheuren Kropfe, fühlte sein Unglück nicht. Er war fast den ganzen Tag auf den Gängen, und schrie jedem, den er sah, ,Aha, Aha!‘ entgegen, deßhalb er auch in ganz Salzburg als der Aha bekannt war. Den unendlichsten Ekel erregte in mir ein Bursche von 22 Jahren, des- sen Gesicht ganz vom Krebse ergriffen, und so zusammengezogen war, daß sein Mund die Größe einer Bohne hatte. Es befinden sich Leute von 80 und 90 Jahren hier“11. 6 Ebd. 1 446f. 7 Dohle, Tätigkeitsbericht 2003 469–471; Kramml–Veits-Falk, Medizinische Versorgung 125. 8 Rosskopf, Lepra 192. 9 SLA, OU 1619 V 03; Rosskopf, Lepra 213–217, 228–232; Tettinek, Armen-, Versorgungs- und Heilanstalten 91–96. 10 Die Autoren danken Herrn Robert Schwarz (Salzburg) für den entsprechenden Hinweis: AES 5/45/4 aus 1790: Verzeichnis der in löblichen leprosenhaus vorkommenden speisen und eines jeden portion. Siehe Schwarz, Leprosenhäuser. Irrtümlich hingegen noch die Annahme bei Rosskopf, Lepra 217f., die keine ent- sprechende Ordnung kennt. 11 Wiederabdruck bei Ammerer–Weiss, Gesellschaft und Kultur 164f., Zitat 164.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
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