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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 126 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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126 Kommentare Vermehrung der Belegungszahlen, da parallel dazu die Kammern in der Kirche reduziert wurden. Das endgültige Aus der alten Spitalherberge kam allerdings erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau die angeschlossene Kir- che zum barocken Gotteshaus umgestalten ließ. Durch diese Maßnahme wurden auch die Zellen unter der Empore aufgegeben19. In Sichtweite des Spitals (Badergässchen, nunmehr Getreidegasse 50) befand sich das Seelen- oder Armenleute-Bad, das bereits 1336 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Im frühen 15. Jahrhundert sollte der Bader Leonhard die siechen jeden zweiten Montag baden und für ihre Körperpflege sorgen. Noch im späten 18. Jahrhundert wurden im Spitalbaderhaus die Armen zumindest drei Mal pro Jahr unentgeltlich zur Ader gelassen, man schnitt den Männern die Haare und den Bart und sie konnten das Bad benützen, wie Lorenz Hübner berichtete20. Um die günstigen Tage für den Aderlass zu ermitteln, hingen im Bürgerspital bereits um 1600 sowohl in der Küche als auch in der Sakristei Aderlasstafeln aus21. In unmittelbarer Nähe der karitativen Anstalt lag ursprünglich ferner der Friedhof, der bereits im Jahr 1327 Erwähnung fand. Eine erste Erweiterung ist aus dem Jahr 1583 bekannt. Das zur Salzach hin abfallende Gelände wurde aufgeschüttet und dem Fried- hofsniveau angeglichen sowie parallel dazu eine neue abschließende Friedhofsmauer er- richtet. Im Zuge der Bauarbeiten unter Erzbischof Wolf Dietrich (1587–1612) war bei der Anlegung der so genannten Griesgasse eine Erhöhung der Friedhofsmauer notwendig, durch die zwei Türen führen sollten. Der Gottesacker hatte eine eigene Kapelle und zu- sätzlich ein Beinhaus. Neben den 220 Opfern des Bergsturzes im Gstättenviertel vom 16. Juli 1669 befanden sich auf diesem „halböffentlichen“ Ort auch die Gräber einzelner Bür- ger, die ausdrücklich dort bestattet werden wollten und die letzte Ruhestätte der Pfründ- ner, bevor Landesherr Hieronymus Graf Colloredo (1772–1803) 1789 die Auflassung des Friedhofs verfügte und die Transferierung der Gräber in den berühmten Campo Santo von St. Sebastian veranlasste22. Um das Miteinander im Haus zu regeln, wurde spätestens am Übergang vom Mit- telalter zur Frühen Neuzeit ain ordnung der armen leut unnd dienstpoten (1512) erlassen (Edition Nr. 31, S. 566–571), die immerhin 34 Punkte benötigte, um die Lebenswelt der Insassen zu strukturieren23. Die Bewohner der geistlichen hausung hatten dem Pfarrer Gehorsam zu leisten, zu beichten und zu kommunizieren. Wer sich nicht daran hielt, lief Gefahr, seine Pfründe zu verlieren. Außerdem musste jede/r an den Gottesdiensten und Andachten sowie an den Begräbnissen verstorbener Hausbewohner/innen andächtig teil- nehmen. Bei der Aufnahme in das Spital war es nach Punkt 8 besonders von Bedeutung, dass die jeweilige Person zuvor dem Spitalmeister gelobte, alls seine hab und gut ime zuege- horig in das spitel mit im bringen unnd gebracht werden. So aber das nit beschähe unnd ains begriffen wurde, so sol dasselbig on mittel aus dem spitel geschafft werden und dawider kains 19 Stadler, Bürgerspital; Weiss–Kramml, Bürgerspital 67–76; Weiss, Bürgerspital 135f.; Ders., Unglück 197–200; Jetter, Hospitäler in Salzburg 165–171, bes. 170f.; Kramml–Veits-Falk, Medizinische Versorgung 125–131; Wonisch-Langenfelder, Pfründnerzelle; Scheutz–Weiss, Spitäler 228. 20 Hübner, Beschreibung 1 31; Ammerer–Baumgartner, Getreidegasse 226f. (Getreidegasse 50, Spitalbaderhaus); Besl, Medizinalwesen 108–114. 21 Ammerer, Gesundheitsmarkt 197; Scheutz–Weiss, Spitäler 221. 22 Skotschek, Friedhof 36–39; Weiss, Bürgerspital 138; Hübner Beschreibung 1 36. 23 AStS, Städtisches Stiftungsarchiv, Buchförmige Archivalie 108, fol. 125r–133r; Stadler, Bürgerspi- tal 49–53.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
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