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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 129 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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IV.3 Salzburg: Salzburg (Stadt) – Bürgerspital ... (Kommentar Nr. 31–35) 129 telbaren Stadtgebiet. Als Erbauer gilt der Salzburger Bürger und Gewerke Virgil Fröschl- moser, der von einem Verwandten, dem Pfarrer von Thalgau, Leonhard Fröschlmoser, finanziell unterstützt wurde. Sein Grabstein befindet sich gegenüber dem berühmten Paracelsusgrabmal in St. Sebastian. Als interessante Motivation für die Errichtung des Bruderhauses werden in der Kaufurkunde des Jahres 1496 die Zeit-Läufe und Pest an- geführt. Die neue karitative Anstalt lag zwischen dem Oster- und dem Galgentor, also noch innerhalb der Stadt, jedoch bereits an der Peripherie, wodurch sich auch leicht das geringere Ansehen im Vergleich zum Bürgerspital erklären lässt37. Außerdem nahm dieses Haus nicht nur Bürger, sondern ferner erkrankte Dienstboten sowie Pilger auf (Bruder- hauszeichen des Jahres 1512 mit Pilgerstab und Pfeil, das Attribut des Heiligen Sebastian) und verpflegte damit eindeutig eine andere Klientel als das Bürgerspital38. Anfänglich konnte das Haus nur wenige Pfründner/innen kostenlos versorgen, im Jahr 1540 beispielsweise lediglich 21 Personen, dazu kamen aufgrund von Seuchen zwei Jahre später noch zusätzlich 20 Arme, die in der unteren Stube betreut werden sollten. Die Stadt musste auf den Platzbedarf reagieren und mit einem Erweiterungsbau des Bru- derhauses beginnen. Die Anstalt hatte generell die Aufgabe, Almosen zu reichen, arme Leute zu beherbergen und Wallfahrern kurzfristig eine Unterkunft zu bieten, wofür diese allerdings zu bezahlen hatten, da die Institution auf keine entsprechenden Fonds und Einkünfte zurückgreifen konnte. Lediglich völlig mittellose Frauen und Männer nahm man für eine Nacht ohne materielle Gegenleistung auf. Bis zum Jahr 1800 wuchs das Vermögen allerdings auf beeindruckende 150.000 fl. an. Im Bruderhaus kann auch eine intensivere Krankenpflege als im Bürgerspital nachgewiesen werden, da man sich sogar der Betreuung der Pestinfizierten widmete. Um für einen geordneten Ablauf im Haus zu sorgen und vor allem den Kranken eine entsprechende Pflege zukommen zu lassen, arbeiteten der Brudermeister, der Untermeister, seine Frau, der Mesnerknecht und Unter- knecht, seit 1534 eine Krankenwärterin, mehrere Stubendirnen, der jeweilige Stadtarzt, einige Bader im und für das Bruderhaus39. Patienten/innen, die an der Pest erkrankten, wurden zwar im Bruderhaus gepflegt, Aussätzige, Epileptiker und Personen mit abscheulichen leibsdefekten jedoch rasch in das Siechenhaus abgeschoben. Eckelhaftigkeit, als Beispiel sei die lähmung der urinblase mit fortwährendem abgang des harns genannt, galt noch im frühen 19. Jahrhunderts als Ausschlusskriterium auch aus dem Bürgerspital, obwohl der betroffene Mann sogar als Hausknecht für die Anstalt gearbeitet hatte40. Aufnahme im Bruderhaus fanden hingegen „Einfältige“, „Sinnlose“, „Corrumpierte“ und „unweltläufige“ Personen, also Frauen und Männer mit körperlicher und/oder mentaler Behinderung, wobei allerdings für deren Unterbringung und Verwahrung hohe Summen zu bezahlen waren. Störrische oder auch gefährliche Insassen wurden im hauseigenen kötterl verwahrt. Im Jahr 1562 beschloss der Stadtrat den Bau weiterer derartiger „Käfige“ im Bruderhaus und Bürgerspital für unrich- tige leutte. Seit 1563 lebten im Haus mehrere einfältige und unerzogene Kinder, die der Obsorge einer Obfrau unterstellt wurden. Im Jahr 1778 stiftete der Bader und Ratsherr Augustin Paulus 4.000 fl. pro furiosis (Irrenfonds), die nach der Errichtung des neuen 37 Kramml, Bruderhaus 111f.; ders.–Veits-Falk, Medizinische Versorgung 131. 38 Kramml, Bruderhaus 114. 39 Ebd. 113–115, 130; Kramml–Veits-Falk, Medizinische Versorgung 133. 40 AStS, Städtisches Stiftungsarchiv, Schreiben des k. k. Kreisamtes an die Stiftungsadministration der Wohltätigkeit in Salzburg, 1819 September 13; Weiss–Kramml, Bürgerspital 85; Scheutz–Weiss, Spitäler 219.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
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