Page - 142 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Image of the Page - 142 -
Text of the Page - 142 -
142 Kommentare
V.1 Kärnten: Bleiburg – Bürgerspital (Kommentar Nr. 40)
Das reich dotierte Bürgerspital der Stadt Bleiburg (Kumeschgasse 18) beherbergte in
den 1790er Jahren 15 Frauen und neun Männer. Es wies einen Kapitalstand von knapp
53.000 fl. auf und bilanzierte ausgeglichen1. Die ursprüngliche Einrichtung statuierte
Ferdinand I. im Jahr 1554. Er hatte dem Wunsch der Bleiburger Bürgerschaft entspro-
chen, eine Messstiftung umzuwidmen, um arme und kranke Leute verpflegen zu dürfen,
die nicht mehr für sich selbst sorgen konnten2.
Da die Ansiedlung mit ihren knapp 500 Einwohnern (um 1740) wiederholt von
Großbränden heimgesucht wurde – so in den Jahren 1642, 1666, 1749, 1760, 17633 –,
waren die raren Plätze im Spital begehrt, allerdings konnten bis zur Mitte des 18. Jahr-
hunderts nur selten mehr als zehn Personen mit Wohnung und Nahrung versorgt wer-
den4. Der Stadtrichter war im Sommer 1754 indessen sehr erleichtert, im Rahmen der
von der theresianischen Verwaltung vorgelegten 18 Fragen zumindest auf die Stiftung der
Agnes Paderin (1749) verweisen zu können, die mit ihren 100 fl. die größte Not gelindert
hatte. Zuvor hätten aufgrund der geringen Einkünfte die 12 spittaler fast bloß hergehen
müssen5. Zwei Spitalmeister waren für die Aufnahme von maximal zwölf ansässigen Ar-
men zuständig, sollten auch für die Reparaturen im und am Haus Sorge tragen und die
Gebetsleistungen der Insassen überwachen. Da es allenthalben an Geld mangelte, muss-
ten sich die Frauen und Männer mehrers mit bettlen und, welches etwann im stande ist, mit
geringer handarbeith erhalten6. Die beiden Spitalmeister und der Stadtpfarrer verwalteten
den mehr oder minder staubigen Boden der Kasse und der Stadtrichter wünschte sich
inniglich höhere Erträge aus der Fundation – der ursprüngliche Stiftbrief dürfte bei den
erwähnten Stadtbränden vernichtet worden sein –, damit die armen leüthe nicht bemüssiget
wären, das bettlbrod zu samblen und noch darbey hunger zu leyden7.
Im Jahr 1760 galt weiterhin die Apostelzahl zwölf als Obergrenze der Aufnahmekapa-
zität und es lebten nunmehr drei Männer und neun Frauen im Alter zwischen 45 und 70
Jahren im Haus, von denen lediglich eine Person einen bäuerlichen Hintergrund hatte8.
Bei Taufen von gutbürgerlichen und adeligen Familien lassen sich Paten oder tauffzeugen
aus dem Hospital nachweisen, so z. B. im Jänner 1748 Adamus Ropatschek und Agnes
Fledlin, die von Kooperator Johann Battista Koschier in das Taufbuch eingetragen wur-
den. Obristwachtmeister Franz Graf von Thurn-Valsassina und seine Ehefrau Anna Grä-
fin von Rosenberg entschieden, ihren Sohn in der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul von
zwey arme[n] spithaller[n] als Stellvertreter Christi und als Zeugen des Sakraments in die
Gemeinschaft der katholischen Kirche aufnehmen zu lassen, wofür sie ihnen zur Bestrei-
1 Uebersicht 86.
2 Fräss-Ehrfeld, Geschichte Kärntens 2 311f.; Mory, Momente 16.
3 Mory, Momente 19, 21–23.
4 KLA, Milde Stiftungen I, Sch. 73, Fasz. 942, Spitalvorschriften (allgemein), Tabellen der von der
Milden-Stiftungshofkommission 1756 in Kärnten durchgeführten Untersuchung (vermutlich 1756 März), Spi-
tal in Bleiburg.
5 KLA, Milde Stiftungen I, Sch. 71, Fasz. 931, Bleiburg Bürgerspital, Pleyburg betr. einlagen über die
18 anfrags puncta, Stadt Bleiburg, Stadtrichter an Repräsentation und Kammer, 1754 August 8, Punkt 3 (Zitat).
6 Ebd. Punkt 11 (Zitat).
7 Ebd. Punkt 16 (Zitat).
8 Ebd. Beschreibung der Spitaler zu Bleiburg, undatiert (1760).
back to the
book Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1"
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 1
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Category
- Medizin