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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 144 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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144 Kommentare Haus 22 einheimische Arme, zusätzlich zeigte der Magistrat Mitleid mit einem „Solda- tenweib“ und zwei Soldatenwaisenkindern, außerdem wollte man noch drei bis vier wei- tere Bedürftige aufnehmen15. Der öffentlichen Caritas waren aber dennoch enge Grenzen gesetzt; bereits im Oktober 1763 hatte die gesamte Bürgerschaft der landesfürstlichen Stadt Bleiburg bei der Milden-Stiftungshofkommission ein Supplik eingereicht, da sie vom Vermächtnis des reichen Priesters Kumesch erfahren hatte. Ein Großbrand am 3. April 1763 im Zentrum der Stadt hatte zahlreiche Stadthäuser zerstört und den Bürgern gute Argumente geliefert: Nun sein wür ja arm, über arm und voller kummer gebreßet, da unsßere häusßer und haabschaft in aschen verzeret worden, wessentwegen wür auch in hoff- nung stechen, eine hochlob(liche) milde stüfftungs commission würdet hochgnädig verwilligen, von jenen dem spittall angefahlenen Erasmus Kummeschischen jahrs ainkönfften, die halb- scheid zu aufhelffung der armen burgerschafft auf 3 jahr zu repartiern zu lassen16. Innerhalb weniger Wochen wurde die Supplikation jedoch abgelehnt. Ende des 18. Jahrhunderts galt die kleine Stadt Bleiburg als mittellos, schlecht verwal- tet und verfügte über geringe Einkünfte. Kritik erfuhren der Magistrat und der örtliche Seelsorger, der sich primär um seine Privatgeschäfte in der Grafschaft Görz kümmerte. „In allem herrscht Unordnung, nur das vermögliche Spital, worin die Blödsinnigen, Blin- den, Tauben und Stummen mit allem verpflegt werden, verdient eine Ausnahme“17. Im Juli 1854 entschied sich die Gemeinde, das Haus dem k. u. k. Ärar zu vermieten, um darin das Bezirksgericht, das Grundbuch- und das Steueramt, zugleich aber auch das Gefangenenhaus unterzubringen. Das Gebäude wurde aufgestockt, um auch noch Platz für „Richterwohnungen“ zu haben. 1907 wurden die Armen in den Neubau am Graben verlegt und das Haus nach seiner Weihe seiner Bestimmung übergeben; die Finanzierung erfolgte aus den Mitteln der neuen Kumeschstiftung und die Baukosten beliefen sich auf ca. 24.000 Kronen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten musste auch die „Stiftung Bürgerspital St. Erasmus Bleiburg“ am 8. Mai 1939 aufgelöst werden18. 15 Ebd. Richter und Rat der Stadt Bleiburg an die Milde-Stiftungshofkommission, undatiert (1773 März). 16 Ebd. N. und N. die gesamte Bürgerschaft der landesfürstlichen Stadt an die Milde-Stiftungshof- kommission, undatiert (1763 Oktober). 17 Zit. nach Mory, Momente 25. 18 Ebd. 25, 32f., 47f., 91; Singer, Kultur- und Kirchengeschichte 21, 36f. Abb. 12: Bleiburg; Bürgerspital (Kumeschgasse 18), Bürgerspitalkirche zum Hl. Erasmus (Stifter Erasmus Ku- mesch, gegründet 1554; Neubau 1766), Stifterbild mit Grundriss des Spitals aus dem Jahr 1775 (Quelle: Bild im Bezirks- gericht; Foto: Alfred Stefan Weiß, 2013).
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
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