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Um das Leben im Haus in geordnete Bahnen zu lenken, ließ Martin Widman, Graf
zu Ortenburg, am 1. Jänner 1654, eine ausführliche Ordnung und disposition7 vorlegen
(Edition Nr. 47, S. 636–640), die zunächst die Ausgaben für die Speisen8 und Kleidung
regelte und danach vornehmlich auf Verwaltungsfragen einging. Das Frühstück wurde
nicht gesondert erwähnt, das Mittagessen erhielten Hausbedienstete (spittlmayr, außwar-
terin, khnecht und diern) und 26 Arme bereits um 10.00 Uhr vormittags, als Ergänzung
um 15.00 Uhr ein stickhl brott und – abhängig von der Jahreszeit – um 17.00 bzw. 18.00
Uhr das Abendessen. Neben den Festtagen erhielten die Insassen jeweils am Sonntag und
am Donnerstag Fleischspeisen und Kraut, an den anderen Tagen wurden sie mit Knödeln,
Mus oder Nudeln mit Milch bzw. Suppe versorgt. Häufig kamen auch Rüben als Zuspeise
auf den Tisch. Selbstverständlich durfte auch nicht der bekannte Talggen auf dem Speise-
plan fehlen, eine Oberkärntner Speise aus gedämpftem Getreide, die seit November 2009
zum Weltkulturerbe der „Arche des Geschmacks“ zählt9.
Wie aus dem Spitalinventar des Jahres 1609 ersichtlich ist, schliefen die Armen in
zweispännigen Betten und hatten daher nie Ruhe von ihren Bettgenossen, lediglich die
„Auswarterin“ hatte das Vorrecht auf ein eigenes Bett. Klagen, Streitigkeiten und man-
gelnde Hygiene waren damit vorprogrammiert. Vermutlich wollten der Herrschaftsin-
haber und sein Sekretär mit der neuen „Spittlordnung“ auch anstehende Probleme besei-
tigen10. Besonderen Wert maß man der Sauberkeit im Haus bei, die „Auswarterin“ hatte
die Schlafräume und Stuben zwei Mal täglich mit cranbethpeer zu räuchern, damit der
7 Siehe zur weiteren Darstellung: KLA, HA Porcia, Sch. 19, Nr. 78, fol. 1r–9r; ebd. Sch. 18, Nr. 77,
fol. 2r–9v (Abschrift 19. Jahrhundert), Instruktion für den Spitalmeier und Speiseordnung im Herrschaftsspital
(Hofspital) in Spittal; Meyer, Geschichte Spittals 13f.; Weiss, Hund 186.
8 Siehe auch: KLA, HA Porcia, Sch. 21, Nr. 88, Hofspital Aus-Speiß-Tabell 1771.
9 Pirker, Talggen.
10 Türk, Ortsgeschichte 414f. Abb. 17: Spittal an der Drau;
Außenansicht des Herrschaftsspital
(Villacherstraße 1), heute Fach-
hochschule Spittal an der Drau
(Foto: Stefan Mak, 2011).
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 1
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Category
- Medizin