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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 158 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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158 Kommentare Um das Leben im Haus in geordnete Bahnen zu lenken, ließ Martin Widman, Graf zu Ortenburg, am 1. Jänner 1654, eine ausführliche Ordnung und disposition7 vorlegen (Edition Nr. 47, S. 636–640), die zunächst die Ausgaben für die Speisen8 und Kleidung regelte und danach vornehmlich auf Verwaltungsfragen einging. Das Frühstück wurde nicht gesondert erwähnt, das Mittagessen erhielten Hausbedienstete (spittlmayr, außwar- terin, khnecht und diern) und 26 Arme bereits um 10.00 Uhr vormittags, als Ergänzung um 15.00 Uhr ein stickhl brott und – abhängig von der Jahreszeit – um 17.00 bzw. 18.00 Uhr das Abendessen. Neben den Festtagen erhielten die Insassen jeweils am Sonntag und am Donnerstag Fleischspeisen und Kraut, an den anderen Tagen wurden sie mit Knödeln, Mus oder Nudeln mit Milch bzw. Suppe versorgt. Häufig kamen auch Rüben als Zuspeise auf den Tisch. Selbstverständlich durfte auch nicht der bekannte Talggen auf dem Speise- plan fehlen, eine Oberkärntner Speise aus gedämpftem Getreide, die seit November 2009 zum Weltkulturerbe der „Arche des Geschmacks“ zählt9. Wie aus dem Spitalinventar des Jahres 1609 ersichtlich ist, schliefen die Armen in zweispännigen Betten und hatten daher nie Ruhe von ihren Bettgenossen, lediglich die „Auswarterin“ hatte das Vorrecht auf ein eigenes Bett. Klagen, Streitigkeiten und man- gelnde Hygiene waren damit vorprogrammiert. Vermutlich wollten der Herrschaftsin- haber und sein Sekretär mit der neuen „Spittlordnung“ auch anstehende Probleme besei- tigen10. Besonderen Wert maß man der Sauberkeit im Haus bei, die „Auswarterin“ hatte die Schlafräume und Stuben zwei Mal täglich mit cranbethpeer zu räuchern, damit der 7 Siehe zur weiteren Darstellung: KLA, HA Porcia, Sch. 19, Nr. 78, fol. 1r–9r; ebd. Sch. 18, Nr. 77, fol. 2r–9v (Abschrift 19. Jahrhundert), Instruktion für den Spitalmeier und Speiseordnung im Herrschaftsspital (Hofspital) in Spittal; Meyer, Geschichte Spittals 13f.; Weiss, Hund 186. 8 Siehe auch: KLA, HA Porcia, Sch. 21, Nr. 88, Hofspital Aus-Speiß-Tabell 1771. 9 Pirker, Talggen. 10 Türk, Ortsgeschichte 414f. Abb. 17: Spittal an der Drau; Außenansicht des Herrschaftsspital (Villacherstraße 1), heute Fach- hochschule Spittal an der Drau (Foto: Stefan Mak, 2011).
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
Web-Books
Library
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