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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 168 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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168 Kommentare Kammern (Lagerräume) und die Stube der Armen, alles unterspreizet und in schlechten stand. Im oberen Stockwerk – ein ebenfalls baufälliges winklwerkh – ergab die Begehung ein Zimmer mit Betten und zwei Kammern, die jeweils zwei Betten aufwiesen. Außerdem wurde dort das Fleisch aufbewahrt (fleisch cästen). Zwei Kammern standen als Getrei- dekästen in Verwendung und in Richtung Hof befand sich die prechlstube. Vom Arme- Leute-Zimmer erreichte man über eine Treppe die so genannte capelaney, wo ein weiteres Zimmer mit zwei Betten vorgefunden wurde. Da die Gewölbe zerschrikhet waren und die Böden bereits gestützt werden mussten, dachte man eine sofortige Reparatur. Nach Erhalt des Bauüberschlags in der Höhe von 833 fl. 24 xr. wurde jedoch die Situation finanziell neu überdacht, die Verwaltung wollte nur mehr das Dach und die Fenster unmittelbar reparieren lassen. Um die ausufernden Kosten eindämmen zu können, plante man nun- mehr eine deutliche Verkleinerung der Meierei. Lediglich der Meier und seine Ehefrau sowie ein Knecht und eine Magd sollten weiterhin für die Spitalwirtschaft und für die Versorgung der Insassen zuständig sein14. Die Reparaturarbeiten ließen jedoch scheinbar weiter auf sich warten, denn im Sommer 1735 war bereits Gefahr für Spital und Kirche in Verzug, das nicht nur allein denen darinnen wohnhafften armen leüthen selbsten, sondern auch denen vorbeygehend und raisenden ein grosses unglikh zu besorgen und vorzusehen seye15. Spitalmeister Dominicus Walchegger, mitverantwortlich für die Misere, der sein müh- sames Amt mit geringer Freude und ohne Besoldung versah und sich außerdem um die ständige drohende Einsturzgefahr des Spitalhauses zu kümmern hatte, musste überdies mit Stadtpfarrer Maximilian Heygl (Heigl) zusammenarbeiten, der ihn seit Sommer 1742 zu „unterstützen“ oder vielmehr zu kontrollieren hatte16. Der Erzpriester von Steier und Stadtpfarrer von Bruck stellte sich in den folgenden Jahren konsequent hinter die Spi- talarmen und unterstützte ihre lamentationes gegen Walchegger, da dessen Unterschla- gungen und Betrugsdelikte im Spital zuungunsten der Insassen in der Stadt immer mehr die Runde machten17. Um die Vorwürfe im Detail zu untersuchen, entsandte die Hof- kommission im Spätsommer 1746 den Buchhaltereiadjunkten Franz Joseph Kölbl18 nach Bruck an der Mur19. Der bürgerliche Glasermeister Walchegger, der noch einen Raitrest in der Höhe von 527 fl. 6 ß. 29 den. zu fordern gehabt hätte, dem jedoch Veruntreuun- gen in Summe von 743 fl. 24 xr. (der Wert des Spitalhauses samt Stallungen betrug 1728 lediglich 400 fl.!) gegenüberstanden, wurde sofort entlassen, der bürgerliche Fleischer- meister Joseph Ebner hingegen als neuer Spitalmeister vereidigt. Walchegger schuldete daher dem Spital die Summe von 215 fl. 4 ß. 7 den., die er innerhalb von 14 Tagen an die Armenkasse einsenden sollte. Um künftighin Betrug hintanzuhalten, erhielt der neue Amtsträger eine jährliche Entlohnung von zumindest 40 fl. Er hatte seine Tätig- keit sofort aufzunehmen und vor allem den Keller instand zu setzen, wobei ihm der so 14 Ebd.; Schweighardt, Entwicklung der Spitäler 67; Watzka, Arme, Kranke, Verrückte 83f. 15 StLA, Weltliche Stiftungsakten 74, K. 224, Nr. 36, Reparaturarbeiten am Spitalhaus und an der Kirche in Bruck an der Mur – Johann Adam Felix von Mainersperg an Spitalmeister Dominicus Walchegger, 1735 August 2, fol. 322r–v. 16 Ebd. Nr. 48, Schreiben an Spitalmeister Dominicus Walchegger und den Erzpriester von Steier sowie Stadtpfarrer von Bruck Maximilian Heygl, 1742 Juli 13, fol. 432r-v. 17 Ebd. Nr. 58, Erzpriester zu Steier und Stadtpfarrer zu Bruck Maximilian Heygl an die Hofkommis- sion, 1746 Februar 28, fol. 502r–503v. 18 Obersteiner, Theresianische Verwaltungsreformen 96. 19 StLA, Weltliche Stiftungsakten 74, K. 224, Nr. 60, Untersuchungen der Spitalamtsadministration in Bruck an der Mur, Relationen des Buchhaltereiadjunkten Franz Joseph Kölbl an die Hofkommission, 1746 September 9, fol. 511r–580v.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
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