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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 169 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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VI.3 Steiermark: Bruck/Mur – Bürgerspital (Kommentar Nr. 51) 169 genannte Hospitalzug zur Verfügung stand und ihm überdies die Dienstleute zur Hand gehen mussten. Die Vorwürfe an den alten Amtsinhaber lesen sich wie eine moderne Anklageschrift gegen einen korrupten (Lokal-)Politiker der Moderne: Das Zehentbuch war nicht ordentlich geführt worden (so zahlte der Postmeister seit 14 Jahren keine Bei- träge, auch der neue Spitalmeister musste Nachzahlungen leisten); Fleisch-, Brot- und Knödelzuteilungen waren in Quantität und Qualität zugunsten des Hospitalmeisterpaa- res gemindert worden; der Wein wurde mit Wasser verfälscht; generell wurden gefälschte Rechnungen vorgelegt; das Almosengeld wurde hinterzogen; die Bearbeitung der eigenen Felder erfolgte durch das Meiergesinde; nachweisbar waren der Entzug des Spitalholzes und Teile der Dienstlöhne für seine eigenen Zwecke; die Kranken wurden vernachlässigt; der Adjunkt sprach von Verschwärzungen etc. Da die Ratsmitglieder im Rahmen der Un- tersuchung rasch erkannten, dass der Spitalmeister nicht mehr zu halten war, entzogen sie ihm ihre Unterstützung und bestätigten die kursierenden Vorwürfe. Entscheidend trugen jedoch die Aussagen ehemaliger Meier und der Spitalbewohner/innen zur vernichten- den Berichterstattung bei: Sonsten seheten sye öffters auß dem spitall brodt, fleisch, puter etc. hinweck tragen, dan frau spitlmaisterin ginge fast niemallen lähr naher haus20. Obwohl sich Walchegger um eine geschickte Verteidigung bemühte und die Rechnungslegung auf den Ratsverwandten Joseph Pichler abschob, auf sein Alter (70) und seinen schlechten Ge- 20 Ebd. fol. 553r. Abb. 19: Bruck an der Mur; Bürgerspital in der Darstellung einer Visitationskommission: Abriss deß burger spittals zu Prugg an der Muehr, wie es von der landtstrasse oder nordtseithen anzusehen ist, Anno 1730 (Quelle: StLA Weltliche Stiftungsakten 179).
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
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