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Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
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Page - 286 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1

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286 Kommentare Unmittelbar dem Bäckenhäusel gegenüber befand sich der so genannte Kontumazhof (hinter dem heutigen Josephinum), ein Gebäudekomplex, der sich burgartig auf dem Steilhang südlich der Sensengasse, zwischen der heutigen Spitalgasse und dem Josephi- num ausbreitete40. Der Kontumazhof wurde 1657 auf dem Gebiet mehrerer Weingärten, der Stadt Wien gehörig, errichtet. Im großen und kleinen Kontumazhof standen 124 Zimmer zur Verfügung41. Schon 1647 wurde der in der Mitte des 18. Jahrhunderts dem Großarmenhaus (gegründet 1693) überantwortete Friedhof (mit Rochus-Kapelle) eröff- net. Der Kontumazhof diente nach der Infektionsordnung von 1679 dem Zweck, dass „alle, von der Pest inficirte Personen nach ihrer Genesung, ebenso jene Leute, die um Inficirte gewesen, derselben gewartet, sie gehoben und gelegt haben, vierzig Tage lang Contumaciam machen, und ehender nicht unter andere Leute, geschweige in die Stadt hineinzulassen seyen“42. Der Kontumazhof bestand aus drei abgesonderten Gebäuden, von denen zwei ins Militärspital, das dritte (Contumaz-Wirtshaus zum „Weißen Hahn“) in das Josephinum verbaut sind. Im Jahr 1713 diente der Kontumazhof auch als Pest- spital43, die „Kontumaz“ übersiedelte deshalb in die Spittelau – nach dem Ende der Pest verlor der Kontumazhof seine unmittelbare Berechtigung und wurde in ein Armenhaus umgewandelt. Im Jahr 1783 wurde der Kontumazhof, parallel zum Großarmenhaus, um- gebaut. Anstelle des Pesthauses, der Rochuskapelle und dem angrenzenden Wirtshaus „Zum Rührn-Esel“ errichtete man das kaiserliche Militär-Garnisons-Hauptspital (Garni- sonspital), das 1784 eröffnet wurde. Die Instruktionen im Einzelnen Das Wiener Bürgerspital war auch eine große, auf Eigenversorgung ausgerichtete Wirt- schaftsherrschaft, die am Ende ihres innerstädtischen Daseins drei Brauhäuser besaß, weiters das „Spittelhaus“ am Neuen Markt, das Adlerwirtshaus in der Leopoldstadt, ein Haus in Perchtoldsdorf und Mödling sowie drei Fleischbänke am Lichtensteg. Weiters verfügte das Bürgerspital über ein Haus mit Stall (stadl) und Weingarten auf der Land- straße (Landstraße Nr. 349), das 1669 (1683 zerstört und erneut aufgebaut) erworben wurde44, wo der Stadelmeier seinen Arbeitsplatz bzw. seine Dienstwohnung aufwies. Im Jahr 1704 (bis 1728) erwarb das Wiener Bürgerspital den Wein- und Getreidezehent im Wiener Zehentbezirk um 38.000 fl.45. Zudem verfügte das Bürgerspital über zahlreiche Zehente südlich und (weniger häufig) nördlich der Donau, weiters über 425 untertä- nige Häuser (Hernals, Breitensee, Brunn, Simmering, Nußdorf, Heiligenstadt, Spittel- 40 Czeike, Wien Lexikon 3 571f.; Wolf, Alsergrund-Chronik 43. 41 Werfring, Pestspitäler 214–225, Wolf, Alsergrund-Chronik 43. 42 Hofbauer, Alservorstadt 101. 43 Wolf, Alsergrund-Chronik 66; Rachholz, Armenfürsorge 40: Beschreibung aus 1741: „Der Kon- tumazhof befindet sich in der Währingergasse, und ist in vier Höfe geteilt. Er liegt angenehm, ist mit Ziegeln gedeckt, und hat zahlreiche und bequeme Wohnungen. Für 300 Leute wäre Platz vorhanden, momentan sind aber nur 260 untergebracht. Es gibt Vierbettzimmer, freie Beheizung, und einen Kleidungsbeitrag. Eventuelle, kleine Verdienste dürften trotzdem behalten werden. Das Essen kann selbst zubereitet, oder auch billigst gekauft werden. Ein eifriger Priester und eine Kapelle sind auch vorhanden. Der Obervater, welcher von der Gemeinde aufgestellt wird, muß auf den Besuch des Gottesdienstes, auf täglich zwei Rosenkränze, und auf die Einträch- tigkeiten seiner Armen achten.“ 44 Altmann, Das Wiener Bürgerspital 37. 45 Ebd. 39.
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Spital als Lebensform Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 1
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Spital als Lebensform
Subtitle
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
Volume
1
Authors
Martin Scheutz
Alfred Stefan Weiß
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79639-8
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Category
Medizin
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