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VIII.7 Niederösterreich: Wiener Neustadt – Bürgerspital (Edition Nr. 136–142) 911
befürdert, der most zeitlich in die vaß gebracht und, sovil müglich, jedes wein[/]gartten
gewächs in besondere vaß geüßen und nit durcheinander gemischt werde, auch starckhs
an die vaß schreiben laßen, in welchen weingartten der most darin gewachsen sey.
Wann alßdann das lösen und preßen gahr fürüber und der most ungegoßen und wir
deßen erindert, so sollen auf unser verordtnung alle vaß in sein, spitlmaisters, beysein
ordenlich visiert und jedes mit seinem numero, und was er für gewächs, beschreiben
unnd zway gleichlauttendte register aufgericht, deren das ains in unser canzley gelegt
werden, das ander aber spitlmaister sein raittung darnach zustellen bey sich behalten.
Auch mit füllung der wein und das die vaß nit manglhafftig, daraus ein gefahr entstehen
möcht, oder dem wein nit in ander weeg schaden beschehe, ain guete ordnung halten,
wann er leitgeben zuelaßen vermaint, soll solches alls offt mit des herrn burgermaisters
vorwißen beschehen, also auch wann er was under der raiffen verkhauffen wolt, sy sollen
auch, wann sie ain väßl wein zur speiß an zapfenden tag aufschreiben und alle tag daran
erspeisen, aufzaichnen laßen, was er den armen leüthen [/] und dem mayr gesindt oder
zur andern notturfft jeden innsonderhait davon geben hab.
Er soll auch alle jahr sein raittung, was er außgeben und empfangen, ordenlich einlegen,
solches nit anstehen laßen.
Nr. 139
Instruktion für den Bürgerspital-Spitalmeister in Wiener Neustadt.
Wiener Neustadt, 1609 März 10
Archiv: StA Wiener Neustadt, Scrinium CXIV, Nr. 1/2, unfoliiert
Rückvermerk: Instruction die allhieige spitlmeister betr(effend), 10. Martii 1609.
Instruction unnd ordnung, welche wir N. burgermaister, richter und rath zu der Neustat
dem burger spital alda zu guetem und auf wolgefallen denen ersamen und fürnemben
Augustin Purckhardthofer und Rueprechten Ruckhenpämb, beede burger alhie, alß
die wir den sibenzehenten Februari gegenwertigen sechzehenhundert und neünten
jars zu spitlmaistern gesezt unnd allen khönfftigen spitlmaistern diß ir ambt darnach
zuverrichten aufgericht unnd geben haben.
[1.] Erstlichen weil in allen ding die forcht Gottes erfordert wirt, auch nichts ohne
dieselb wol von statten gehet, demnach so soll spitlmaister alles ernsts daran und darob
sein, damit die armen leüth, die sonderlich zu denen endt das spital geniessen, so wol
daß dienstvolckh die heiligen Gottes dienst nit versaumben, zumallen an denen feyrtägen
vleissig zu der predig unnd ambt gehen, ihr gebet verrichten, zu gebüerlicher zeit im jar
das hochheilig sacrament des altars andechtiglich empfahen, auch sonsten täglich abents
und morgents vor und nach dem tisch vleissig und ainhelliglich mit einander betten
und durch auß alles fluechen, schweren, gotslestern, unzucht, trunckhenheit und spillen
vermeiden und welche persohn disem nit nachkhomben, sondern darwider thuen wurde,
dem soll erstlich solches mit wortten ernstlich verwisen, zum andern mit abbrechung der
speiß, zum driten mit gefengnuß gestrafft und, da deren kheines helffen will, gar auß dem
spital geschafft werden.
[2.] Verners wirt dem spitlmaister anbevolhen, daß er ain handt register halte, täglich
und wochentlich seine [/] empfang und außgaben in allen puncten, wie hernach volgt,
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin