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962 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
genau erfüllen, sondern auch einander hülfreich beistehen. Da die herrn wundärzte als
erfahrne und gebildete männer ohnehin wissen, daß durch eintracht auch das kleinste
gedeiht und durch zwietracht die schönsten anstalten zu grunde gehen. So wäre hier
eine erinerung zum freundschaft(lichen) wirken zu diesem edlen zwecke, nehm(lich) zur
linderung der leiden der menschen am unrechten orte.
[2.] Beyde herren wundärzte haben auf das gegebene zeichen bey der ordination
zu erscheinen, derjenige welcher den verflossenen tag und nacht den dienst hatte, soll
im allgemeinen die vorgefallenen veränderungen auf den krankenzimmerna dem herrn
physikus anzeigenb. Sie wohnen der ordination auf dem ordinationszimer bey und
begleiten den herrn physikus in die krankenzimer von bett zu bett. [/]
[3.] Der diensthabende referirt das nöthige von jeden kranken vom verflossenen tage
und nacht in kurze und schreibt die neuen medicamenten ins apotheken-buch.
[4.] Mit endigung der ordination tritt der andere seinen dienst an und hat folgende
obligenheiten: Er muß sorgen, dass alle anordnungen des herrn physikus genau in erfüllung
gehen, daß die krankentafeln ordent(lich) bezeichnet, daß medicamente, vesicat(orien),
clystiere und umschläge ordent(lich) aufgelegt und gereicht werden, er muß beym
ausspeisen erscheinen, um zu sehen, ob die kranken die gehörige quantität und qualität
der speisen und getränke erhalten, sich nicht auf die aussagen der wärterin verlassen,
sondern die kranken selbst befragen und selbst kosten, speisen von schlechter qualität
zurükschicken. Die von geringer quantität ausstossen und durch andere ersetzen, auch
auf die reinlichkeit der geschirre soll er bedacht seyn; beym ankomen der medicamente
muß er zum zweyten mahl erscheinen und acht zu haben, daß die medicamente gehörig
vertheilt werden, beym nachtessen soll er wieder nachsehen, ob nicht wie mittags zu wenig
oder zu viel oder schlecht zubereitete nahrung den kranken gereicht werde, endlich soll er
abends zum vierten mahl nachsehen, ob auf den krankenzimer alles in ordnung ist, ob die
wärterinnen ihre schuldigkeit gethan, die zimer und luft gereinigt, dieselben gehörig geheizt
und die kranken liebevoll behandeltc haben. Den andern tag vor der ordinations stunde soll
er noch einmahl nachsehen und somit sein journal schließen.
[5.] Der herr primar-wundarzt hat vorzugsweise äussere krankheiten zu besorgen,
die nothwendigkeit innerer arzneyen dem herrn physikus anzeigen und nothwendige
chirurgische operationen mit zuseung des herrn physikus und secundarwundarztes
vornehmend, jedoch schließt dieser vorzug den herrn secundar-wundarzt bey
vorkommenden fällen von diesen verrichtungen nicht aus.
[6.] Der herr secundar-wundarzt hat alle medicinische schreibungen zu besorgen, als
die krankentafeln, das journale, protocolls-apothekerbuch etc. [/]
[7.] Wenn in der hausapotheke medicamente zuzubereiten sind, so muß er solche
bereiten und willig zu jeder chirurgischen verrichtung hilfreiche händ leisten.
[8.] Da jede krankenanstalt mehr oder weniger hilfreiche fälle liefert, die die
medicinische wissenschaft bereichern und der menschheit nützlich sind, und da
solche nützliche erfahrungen sicher hier am öftesten vorkomen könnten, wo nicht so
viele acute als vielmehr chronische krankheiten zu hause sind, welche die armen und
von alter gebeugten am öftesten heimsuchen, so werden die herren wundarzte dieser
a -n über der Zeile nachgetragen.
b Korr. aus anzuzeigen.
c Über der Zeile nachgetragen.
d Korr. aus vorzunehmen.
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin