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980 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
aber winters zeit alle nacht in den kuchln und öffen, wie daß feuer verwart seye, zu
sechen.
[5.] Fünfftens solle der vatter guete achtung geben, daß von denen bestelten dienst
boten denen armen leuthen gewarttet, daß jenige, so von dem herrn medico in arzneyen
ihnen verordnet wird, mit höchsten fleisß und ohne verzug geraichta, wie nit weniger
ihr lein und pott gewand sauber gehalten, auch sie sonsten also versorget werden, damit
ainige clag hierwider nit fürkomet.
[6.] Sechstens solle der vatter auch zuesechen, ob der bestelte herr medicus die patienten
fleissig besuechet, die dessentwegen wochent(lich) ausgezaigte gewüsse ordinier täg recht
beobachtet, ingleichen ob der arzt solche patienten alles fleisses verbinde und denenselben
seine schuldigkeit laiste, neben deme ob der ausspeisser dassigen patienten [/] die von
dem herrn medico ordinirte medicinen und dergleichen der ordnung nach und in denen
ausgezaigten stunden überraichet, widrigenfahls solches nit bescheche, auch von aldaigen
herrn seelsorger einiger mangl für kombe, daß derselbe bey denen kranken sein ambt nit
verrichtete, solle, er, vatter, solches alsobald mit gueten grund anzaigen, damit auff remedirung
gedacht werden könte und damit sich auch weder der herr geist(liche), herr medicus noch arzt
und ausspeisser mit ainiger ohnwissenheit entschuldigen können, solle er, vatter, so offt eine
kranke persohn hinaus kombt, solches denenselben alsobalden anzaigen; es solle aber
[7.] sübentens der vatter bey ernst(licher) straff keine person einnehmen, sie seye dan
ordent(licher) weise dahin beschauet und habe derentwegen die passierung aus des herrn
burgermaisters canzley jederzeit fürzuweisen. Neben deme solle er [/]
[8.] achtens alle tag eine untersch(riebene) tagzetl, wievill deren armen und dienstbotten
daraus vorhanden, dem spitlmaister und siech vatter im spital hineinschücken, damit
darauff die speisß und nothwendige verpflegung von spital hergeben und hinaus gebracht
werden können. Es solle aber er, vatter, mit ab- und zueschreibung der persohnen einigen
vorthail nicht gebrauchen oder ein mehrere anzahl angeben alß dero persöhnen sich
würck(lich) befünden; auff welchen fahl und da einige verförtlung erfunden werden solte,
solle gegen ihme mit scharffer straff verfahren werden. Und weillen
[9.] neuntens seinem weib alß kochin die kuchl anvertrauet, alß hat er, vatter, sowohl
alß auch dessen ehew(eib) daselbst alles fleisses nachzusechen, damit nicht allein mit
denen aus dem spital empfangenden victualien treu und würthschafftlich und nicht
verschwendlich gehandlet, sondern auch die speissen guet und wohl geschmach gekocht,
anbey [/] denen armen auff denen stüben von denen bestelten krancken wartherin und
krancken wartherinnen nicht kald oder vermischter, wohl aber der gebühr nach guet und
grecht geraicht und ausgethaillet werden.
[10.] Zechentens hat der vatter alle und jede persohnen, sie sterben oder wandern, mit
tauff- und zuenahmen, auch von was orth, wie alt sie sein, und wan sie krancker dahin
gebracht worden, auch wider gewandert oder gestorben, ausführlich beschribener dem
bestelten siechvatter im spital zu prothocolliren zu überschücken.
[11.] Ailfftens hat der vatter keine dienst botten, krancker [!] warther oder
kranckenwartterinen für sich selbst, sondern jederzeit mit vorwüssen herrn spitlmaisters
auffzunemben und wider zu entlassen. Ingleichen solle auch
[12.] zwölfftens wanb von denen aldaigen abgestorbenen persohnen an gold und
silber, kleidern und [/] dergleichen brauchbahren effecten etwas hinterlassen wurde,
a Über der Zeile nachgetragen.
b Über der Zeile nachgetragen.
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin