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1050 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
[2.] 2. Soll ein jeder curent die felder in seinen ihme durch den zehenthandler
fürgezaigten district mit fleiß durchgehen, die marchstain beschauen unnd wie weit sein
gezirkh seye, oder er außzusteckhen habe, vernehmen.
[3.] 3. Es sollen die curenten bey fruer tagzeit im veld unnd auch sonsten des tags an
einen stetten, nach gelegenheit gewisßen orth sein unnd wan sie nothwendig außgehen
unnd außsteckhen müessen, daselbst verlassen, umb welche gelegenheit im veld oder wo
sie sonnsten anzutreffen sein.
[6.] 4. Es sollen sie, curenten, in denen feldern, wo das [/] spitall gegen den bistumb
Wienn den halben zehent hat, sich nit auf des bistumbs curenten verlassen, sondern mit
demselben zugleich den zehent außstekhen; begebe es sich aber, das sein obbenennt auß
rechtmessiger usachen nicht gegenwertig wehre, so soll er ebenmessig sein gebührenten
theil außsteckhen, damit der, dem das traidt gehöret, an der einfuhr nit verhindert werde,
noch zu clagen haben.
[6.] 5. Wan aber der oppenent öffter außbleibe und ihme allein den diennst verrichten
liesse, soll er solches dem zehenhandler bei zeiten andeüten.
[6.] 6. Sie sollen allezeit das laub oder gestreuß als des spitalls gewöhnliche zaichen,
auf das zehente mändl mitten in das bandtsail fein, fest und tief steckhen unnd, wan
etwan dasselbig durch den wind, gewild oder ungewitter umbkhert oder abgerissen oder
auch die mändl zerrissen werden, widerumb über sich kheren und aufrichten.
[7.] 7. Wan es geschehe, das auf einen ackher ein naigl überbleibe oder das nit
mehr dan 4, 5 oder 6 mändl darauf gefexnet wehren, soll der curent, wan der pauher
dergleichen traidt alß außgesteckht, in veld abgeschniden unnd in mändl zusamben
getragen hette, auf die in ackher verblibenen mändl in den andern [/] ackher darauf
zehlen; wan aber der pauman gleichen traidt nit mehr geschniden unnd aufgemändlt hett,
soll er von dem übrigen, wieviel es dan ist, die zehente garben unndt nit wenniger oder
mehr nemben, als von ainen mändl 1½ garben.
2 mändl 3 garben 6 mändl 9 garben
3 4½ 7 10½
4 6 8 12
5 7½ 9 13½
[8.] 8. Unnd weil es geschicht, das ungleiche mändl ungleiche garben in zehent
bringen, die garben aber nit leicht mögen vertheilt werden, sollen die curenten in ganzen
zehent wegen einer halben garben nit vil streiten, es sey dan, das die zall der mändl über
5 kheme, als dan sollen sie die partheyen mit gueten worthen dahin bereden, das sie die
ganze garben dem armen hauß als ein almosen passieren lassen unnd von 5 mändl 8
garben, von 7 mändl 11 garben, von 9 mändl 14 garben in zehent nemben unnd ihnen
zu gemüeth führen, das der felder vill, der partheyen aber noch mehr; unnd wan das
spitall einen hier, den andern dort ein halbe garben nachsehe, wird lezlich eine merkhliche
summa darauß erwachsen unnd das spitall in grossen schaden gerathen und besser ist
es, das ihrer vill einen als einer alles dißfals übertrage, doch wird ein jeder hierin die
beschaidenheit zu gebrauchen wissen. [/]
[9.] 9. Ingleichen, wan das bistumb mit dem spitall eine garben zutheillen hat, sollen
sie umbwexln, das einmal das bistumb, das andermal das spitall die ganze garben allein
nehme und kheinen zu kurz geschehe.
[10.] 10. Es sollen auch die curenten ihre ordentliche tagzetl oben mit dem dato
und unnten mit dem nahmen verzaichneter machen, darauf den tauf- unnd zuenahmen
desßen, dem sie außgestekht, die mass oder grösse des ackhers, die gattung des traidts,
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin