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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 166 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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Tagebücher166 wegen. vielleicht ist es aber auch nur eine supposition, soviel ist gewiß, daß er gegen mich von einer ganz auffallenden liebenswürdigkeit ist und mich sehr auszeichnend behandelt. Wer aber ganz sauersüß und zweydeutig um mich herumschleicht, das ist Bunsen. meine stellung wäre eine viel angenehmere und bessere, wenn mir das Ministerium häufigere Instructionen gäbe, so aber habe ich, seit ich hier bin, außer einigen unbedeutenden mittheilungen noch gar nichts erhalten, während ich ziemlich regelmäßig und sehr ausführlich berichte. das große ereigniß aber, welches mich seit 4–5 tagen in Athem erhält und hier fest hält (obwol Alles, selbst Palmerston, fort ist, und ich gestern zu den rennen nach doncaster wollte, wohin mir Palmerston eine menge empfehlungsbriefe mitgegeben hatte), ist der rücktritt unseres kabinets in folge des von der nationalversammlung am 5. gefaßten Beschlusses: die Ausführung des malmöer Waffenstillstandes zu sistiren. die minister hat- ten den groben Fehler begangen, den Waffenstillstand, der schon ratifizirt, daher ein fait accompli war, der Beschlußfassung der nationalversamm- lung zu unterziehen, und dennoch auf dessen genehmigung anzutragen, während sie zugleich diesen Waffenstillstand auf das heftigste tadelten. die maßregel war also zugleich ungeschickt und halb, die natürliche folge eines coalitionsministeriums, welches in sich selbst uneines war. dazu kam die Berserkerwuth dahlmanns und seiner mitprofessoren, welche, ohne auch nur die Acten gelesen zu haben, von der ehre deutschlands faselten. das ende war, daß die minister mit 17 stimmen in der minorität blieben und daher abtraten, und daß dahlmann mit der Bildung eines neuen cabinets beauftragt wurde, womit er nie zu stande kommen wird, denn aus der mo- mentanen coalition dahlmann’s cum suis und der linken, wodurch diese majorität entstand, kann nimmermehr ein einiges ministerium, welches auch nur 8 tage dauern könnte, hervorgehen. die eigentliche diskussion über den vertrag war vorgestern, und da wird ohne Zweifel derselbe gut- heißen worden seyn.1 die majorität bereut schon jetzt, was sie am 5. gethan 1 Am 5.9.1849 war in namentlicher Abstimmung die sistierung aller zur Ausführung des Waffenstillstands mit dänemark nötigen militärischen und sonstigen maßnahmen mit 238 gegen 221 stimmen beschlossen worden, obwohl die regierung die Annahme zur kabinetts- frage erklärt hatte. die Ausführung dieses Beschlusses wurde vom ministerium insoferne umgangen, als es noch am selben tag zurücktrat und erklärte, bis zur ernennung eines neuen kabinetts nur die laufenden geschäfte „mit welchen keine politische verantwort- lichkeit verbunden ist“ zu besorgen. der vollzug des sistierungsbeschlusses falle jedoch nicht unter die laufenden geschäfte, man halte sich daher „nicht für berechtigt, denselben vorzunehmen.“ Am 16. september beschloss die nationalversammlung wieder in namentli- cher Abstimmung (257 gegen 236 stimmen), die vollziehung des Waffenstillstands, „soweit solcher nach der gegenwärtigen sachlage noch ausführbar ist, nicht länger zu hindern“ und die Zentralgewalt aufzufordern, wegen Modifikationen des Vertrags und „schleuniger
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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