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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 175 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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17510. Oktober 1848 [london] 10. oktober ich war wieder einmal in Broadlands, und zwar wegen der Angelegenheit der Akkreditirung eines ständigen reichsgesandten. in frankfurt scheint man es zwar auf mich abgesehen zu haben, und Palmerston hat sich, wie man mir schreibt, sehr günstig über mich ausgesprochen, dennoch glaube ich, daß am ende Bunsen es werden wird, denn es scheint mir nicht wahr- scheinlich, daß Preußen in seine Abberufung willigen wird, und für diesen fall habe ich nach frankfurt meine Ansicht dahin ausgesprochen, daß es viel besser sey, eine verschmelzung der preußischen und der reichsge- sandtschaft eintreten, als sie noch fernerhin nebeneinander fortbestehen zu lassen. lord Palmerston erwiederte übrigens, daß er wegen dieser Accreditirung erst noch mit lord John russell sich besprechen müsse. die leute möchten uns den Brodkorb recht hoch hängen. von Broadlands fuhr ich am tage darauf nach southampton, von da mit dem dampfschiff nach der insel Wight hinüber, nach cowes, newport, ca- risbrook castle (wo carl i. gefangen saß) und ryde, wo ich übernachtete. tags darauf fuhr ich von da nach Portsmouth und london. die fahrt war herrlich, das Wetter am ersten tage entzückend, leider konnte ich nicht mehr von der insel sehen, weil ich am selben tage, d.h. gestern, beym Prin- zen von Parma in der nähe von kingston zum essen geladen war, ich aß ganz en famille mit ihnen. die Prinzessinn ist eine ausgezeichnete und liebenswürdige junge frau und erzählte mir viel interessantes über ihre schicksale und erlebnisse in der jüngsten Zeit in italien, sie fragte mich um rath, was sie thun solle, um ihr herzogthum nicht zu verlieren, und ich meinte, sie solle vor Allem die conferenz beschicken.1 Wieder ein mord. fml lamberg ist in Pesth gräßlich ermordet worden.2 heute lese ich in den Blättern, daß edmund Zichy von den ungarn (?) ge- fangen und gehängt wurde,3 so erfüllen sich rings um mich her die tragisch- sten geschicke, wie wird sich das meinige gestalten? – – diese ungarische catastrophe wird immer dramatischer, sowie die figur Jellachich’s, er ist 1 herzog karl ii. hatte unter druck der revolution am 9. April 1848 eine provisorische re- gierung ernannt, das herzogtum dem schutz sardinien-Piemonts unterstellt und das land verlassen. sein sohn, verheiratet mit Prinzessin louise Berry, kehrte nach dem sieg der österreichischen truppen im August 1849 nach Parma zurück und übernahm die regie- rung. 2 general graf franz Philipp lamberg, der als kaiserlicher kommissär nach Pest entsandt worden war, wurde kurz nach seinem eintreffen am 28.9.1848 von einer aufgehetzten men- schenmenge ermordet. 3 graf eugen Zichy, nicht sein Bruder edmund, wurde von einem ungarischen kriegsgericht wegen landesverrats zum tode verurteilt und am 30.9.1848 hingerichtet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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