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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
Page - 186 -
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Tagebücher186 ruhe in der nähe des busy london. ich lebte diese Zeit ganz als wäre ich selbst ein fellow, aß im Queens college mit ihnen etc. Abends waren wir in einer debating society, wo die jungen leute ganz mit der Würde und feier- lichkeit eines Parlamentes die verschiedensten, politischen, litterarischen etc. Fragen behandeln, eine vortreffliche Einrichtung. Auch an den bisher so stationär gebliebenen universitäten englands gährt es jetzt, und sind reformen im Werke, welche in cambridge durch die Anregung des chancellor Prinzen Albert zum theile schon durchge- führt worden sind. Aber der Zopf steckt hier fester als irgendwo, und den- noch glaube ich, daß die revolution in england (denn auch diesem lande steht eine bevor) von hier ausgehen wird, denn die mittelalterliche Be- schränktheit, die selbstgezogenen geistigen schranken auf wissenschaftli- chem und religiösem Boden (namentlich auf diesem letzteren) können nicht mehr lange dauern, sowie aber Bewegung in die geister in dieser richtung kömmt, wird sie auch in den andern nicht ausbleiben, und der klügste ver- stand wird sich bald an die Aristokratie, ja sogar an das königthum heften. soll man es wünschen, daß englands jetzige verfassung, dieses schönste reliquium des mittelalters, zu grunde gehe? ich kann es nicht, es wird aber doch so kommen. gestern vormittags fuhr ich von oxford nach Woodstock und Blenheim und sah mir den magnifiquen Park des Herzogs von Marlborough an. stockmar war neulich bey mir, ein sehr klares decidirtes gescheidtes trockenes Männlein, sein Einfluß hier soll sehr groß seyn, von Frankfurt hat er Aufträge semiofficieller Natur, und das mißfällt mir, und ich werde dagegen dort persönlich protestiren. ohnehin ist meine stellung hier nicht beneidenswerth. das ministerium läßt mich ganz ohne mittheilungen, lord Palmerston wendet sich vorzugweise durch cowley an dasselbe, da dieser großen Einfluß hat, und so erfahre ich nicht einmal immer das, was zwischen england und frankfurt verhandelt wird, ohne daß jedoch eine Zurücksetzung im mindesten in der Absicht des ministeriums läge. Aber schmerling ist ein elender minister des Auswärtigen, und ich werde froh seyn, wenn er ersetzt wird, wozu sich aber noch immer Niemand finden lassen will. übrigens theilt stockmar ganz meine Ansicht über die falsche stellung, in welche sich das ministerium vis-à-vis der nationalversammlung und der reichsverweser vis-à-vis des ministeriums gesetzt hat. das ist nun freilich kaum mehr zu ändern. in Betreff oesterreichs scheint nach seinen mitt- heilungen die Ansicht wenigstens der gewichtigeren männer in frankfurt entschieden auf einen Austritt oesterreichs zu gehen, nur der erzherzog möchte einen Beytritt von ganz oesterreich!! ich habe meine Ansichten brieflich Vielen in Oesterreich und Frankfurt mitgetheilt (Schuler, Egger,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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