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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher192 seine stellung gehindert ist und in dieser frage auch an unklarheit und an dem unmöglichen Wunsche leidet, die extreme zu vermitteln) und meine stimme gewicht. dagegen haben wir auf der linken ein paar unläugbare talente, Berger und giskra, welche unpractisch und unpatriotisch wie ihre ganze Partey auf die Zerreißung oesterreichs hinarbeiten. Bunsen ist mit der führung der dänischen friedensunterhandlungen beauftragt. dieses wurde gestern im ministerio mit meiner Zustimmung bestimmt. graf otto rantzau, der morgen nach london geht, um im na- men der gemeinsamen regierung mit Palmerston zu conferiren,1 war heute lange bey mir, unter diesen umständen ist meine rückreise nach london nicht mehr so dringend. heute hatten wir wieder eine sitzung, welche be- wies, daß die nationalversammlung in diesen 6 monathen an praktischem menschenverstande und an organisation nichts gewonnen hat. Bey der 2. Berathung der grundrechte wurde nämlich der Adel „als stand abge- schafft“! – „alle titel abgeschafft, die nicht mit einem Amte verbunden sind“, endlich „die Annahme auswärtiger orden verbothen“!! – wo soll das hinaus?2 [frankfurt] 8. december Abends erzherzog ferdinand ist heute angekommen, um dem reichsverweser die Abdikation etc. mitzutheilen. der grund war hauptsächlich, daß kaiser ferdinand Bedenken trug, die energischen schritte, welche gegen ungarn geschehen sollen, mit seinem eide zu vereinbaren. kulmer ist kroatischer minister geworden, ein Beweis, daß das ministerium den moment erfas- sen will, um ungarn zu zerreißen. überhaupt scheint dieses endlich ein ministerium von wahren staatsmännern zu seyn, und es ist wunderbar, wie oesterreich auf einmal wieder als ehrfuchtgebietender koloß dasteht. glück auf. mir gefällt es aber gar nicht, daß der neue kaiser in seiner übri- gens herrlich abgefaßten Proclamation den in den letzten monaten bereits verlassenen titel „von gottes gnaden“ wieder aufgenommen, dagegen den „konstitutionellen kaiser“ verlassen hat, wozu das? jedenfalls war es unge- schickt.3 1 die gemeinsame regierung für schleswig-holstein war entsprechend den Bedingungen des Waffenstillstands von malmö vom 26.8.1848 eingesetzt worden und hatte die am 24.3.1848 gebildete provisorische regierung abgelöst. 2 Andrian stimmte in allen drei Punkten in namentlicher Abstimmung mit der minorität. Zur ersten Beratung und den Beschlüssen in dieser frage siehe eintrag v. 2.8.1848. 3 im manifest kaiser franz Josephs zum regierungsantritt als „von gottes gnaden kaiser von Österreich; König von Hungarn und Böhmen etc.“ am 2.12.1848 wurde betont, dass er „das Bedürfniß und den hohen Werth freier und zeitgemäßer institutionen aus eigener überzeugung“ erkenne und „mit Zuversicht die Bahn, welche uns zu einer heilbringen-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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