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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher212 der politische muth und überhaupt jede Art von charakterfestigkeit sind in frankreich null, überhaupt ist es ein demoralisirtes volk, und wenig davon zu hoffen und ebensowenig davon zu fürchten, wenigstens nicht auf dem directen Wege des krieges, welchen man hier mehr als irgendwo sonst fürchtet. Pulszky ist als flüchtling hier angekommen und will sich nun hier amu- siren! nachdem er und seine freunde soviel unglück über ihr land ge- bracht! schmähliches gesindel, wenn ich denke, daß er heute vor einem Jahre politische Briefe an mich in der Allgemeinen Zeitung schrieb! neulich aß ich im café de Paris mit véron, mlle rachel, Achille fould, heeckeren etc. [Paris] 22. Jänner diesen Abend reise ich ab, ich hätte beynahe lust gehabt, die Politik einst- weilen an den nagel zu hängen und ein paar Wochen hier zu bleiben, j’ai en des grands retours de jeunesse in diesen tagen, petits soupers, Bal de l’opéra etc., und habe mich seit geraumer Zeit zum ersten mahle wieder amusirt. frankfurt wird mir ohne Zweifel jetzt sehr langweilig und spieß- bürgerlich vorkommen, und meine soliden (ja beynahe heiraths-) ideen dürften einen starken stoß erlitten haben. vorgestern war ein Bal de l’opéra, welchen zu sehen ich seit solanger Zeit gewünscht hatte. Ein toller, betäubender aber magnifiquer Anblick. merkwürdiger Weise traf ich mit einem domino zusammen, mit dem ich in Wien in der längstvergangenen schönen redoutenzeit eine durch 2 Winter fortgesetzte maskenintrigue gehabt hatte, also aus dem tiefsten schachte meiner längstvergessenen erinnerungen hervorgeholt. nach dem Balle soupirte ich in der maison dorée mit schweizer und einem domino etc., kurz das gewöhnliche dénouement eines Bal musées fehlte nicht. neulich war ich Abends bey lamartine, ein echt altfranzösischer salon und neufranzösischer geck. Auch mit ledru-rollin sollte ich zusammen- kommen, was heeckeren veranstaltet hatte, wir verfehlten uns aber. frankfurt 26. Jänner Abends Am 22. Abends verließ ich Paris, war des morgens in Brüssel, wo ich früh- stückte, und um 1/2 9 uhr Abends in cöln, dort soupirte ich und fuhr dann in meinem Wagen die nacht durch bis Bingen, wo ich etwas zu mir nahm. nach 2 war ich in mainz, da ich aber zu schiffe über den rhein mußte, versäumte ich die eisenbahn und fuhr per Post hierher, wo ich um 1/2 6 Abends ankam, bin also nun 2 tage hier. hier sieht es sonderbar aus. die nationalversammlung ist in einer Art von Auflösung und votirt in einer Art von Verzweiflung das tollste Zeug
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

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