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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher218 salon Bergen wird mir zu voll, während er sonst so gemüthlich exclusiv war, und doch ist er meine liebste, ja fast einzige ressource, so daß ich jetzt, wo sie seit ein paar tagen unwohl ist, wie ein herrenloser hund her- umlaufe, mein verhältniß zu ihr ist das alte, bliebe ich lange hier, so würde ich mich unmerklich und unwiderstehlich an sie gewöhnen, obwohl meine vernunft mir davon abräth. selbst in der heimath sagt man allgemein, daß ich sie heirathe, und ich fand bey meiner Ankunft hier eine strafpre- digt von gabrielle darüber vor, welche meiner vernunft nur noch mehr zu hülfe kam. denn selbst eine unverdiente makel oder ein unwahres gerücht könnte ich an dem rufe meiner frau nicht ertragen. [frankfurt] 6. februar Abends das verhalten oesterreichs in der deutschen frage wird immer unglück- licher und ungeschickter, das lange stillschweigen desselben und seine anscheinend unehrliche und mißtrauenerregende Politik (die man haupt- sächlich schmerling zuschreibt) verstärkt die Partey Preußens mit jedem tage, und am ende wird oesterreich einem fait accompli gegenüber stehen und es entweder annehmen oder mit dem schwerte dreinschlagen müssen. inzwischen schmeichelt sich schmerling, daß bey der 2. lesung der ver- fassung soviele Paragraphe daraus verworfen werden würden, daß es oe- sterreich möglich werden wird, dem Bundesstaate beyzutreten, was ebenso von der unklarheit seiner Ansichten über die ganze frage als von seiner unkenntniß des hiesigen terrains zeugt. morgen soll Würth von olmütz zurückkommen, und man hofft, daß er definitive Antwort bringen werde! ich glaube es nicht. das Allerärgste aber ist, daß oesterreich am 17. vori- gen monats in Berlin den vorschlag gemacht hat, alle kleinern staaten zu gunsten der 5 königreiche zu mediatisiren und aus diesen 5 und mit oe- sterreich einen sechsköpfigen Staatenbund zu bilden! Preußen hat dieses Project mit tugendhafter entrüstung abgewiesen und exploitirt es nun wie natürlich, um sich diese kleineren staaten geneigt zu machen. diese unbe- greifliche, mit Oesterreichs traditioneller Politik so ganz im Widerspruche stehende note oesterreichs (an die ich trotz dem, daß sie ganz positiv ver- sichert wird, kaum noch glauben kann) circulirt nun allenthalben. Ich finde die Dinge so weit gekommen, daß kein Ausweg übrig bleibt, wenn man einen offenen Bruch vermeiden will, als der rücktritt schmer- lings und schwarzenbergs. von der unfähigkeit des ersteren war ich immer überzeugt, an die des letzteren muß ich nun auch glauben. man möchte, daß ich nach olmütz gehe, um die lage der sachen darzustellen, ich habe nicht recht lust, weil ich mir, so sehr ich auch von der nothwendigkeit ei- nes solchen schrittes überzeugt bin, keinen erfolg verspreche. deym räth mir ab, da ich mich nur compromittiren werde.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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