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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher250 einlegen.1 dort ist nichts Bedeutendes vorgefallen. die preußische re- gierung hat sich gegen, die 2. kammer für die unbedingte Annahme der frankfurter verfassung erklärt, ebenso ist es in sachsen ergangen, es dürf- ten nun in beyden Ländern Kammerauflösungen folgen,2 doch glaube ich nicht, daß bey den radicalen Wahlgesetzen derselben die neuen kammern viel anders ausfallen werden. Bayern und hannover schweigen, in Wür- temberg ist es schon zum offenen Conflict gekommen, und der König hat die hauptstadt verlassen, lauter folgen jener unvernünftigen kaiseridee und der radicalen verfassung, welche man, um jene idee durchzusetzen, in so unwürdiger hast gepantscht hat. deutschland war einer revolution noch nie so nahe als jetzt, dank dem edlen gagern und consorten. chi troppo abbraccia, nulla stringe, es wäre wirklich möglich, daß schwarzenberg das unverdiente glück hätte, seine ungeschicklichkeiten durch die noch grö- ßern der nationalversammlung gutgemacht zu sehen. ich bin froh, aus der geschichte heraus zu seyn, und glaube wirklich, daß es in jeder Beziehung das Beste für mich ist, mich im hintergrunde zu hal- ten und sogar von hier fortzugehen, es hält mich jetzt nur noch eine sache hier auf, und diese ist der Wiener Bote, ein populäres spottschlechtes Blatt zur Belehrung des landvolkes, welches das comité bey Pereira gegründet hat,3 der redacteur der „Presse“, welcher es bisher redigirte, hat uns ge- kündiget, und ich wurde gebeten, wegen dessen fortbestehen Anstalten zu machen, was ich in der Absicht übernommen habe, hieraus ein größe- res Journal zu machen und die oberleitung desselben zu behalten. daraus könnte allerdings eine macht werden, wie es die „Presse“ zum theile schon geworden ist (sie zählt 15.000 Abonnenten). Jedoch ist die mehrheit des co- mités so ultraconservativ, wahre fanatiker der ordnung, vor Allen Pereira und Fries, daß ich an dem Gelingen zweifle. [Wien] 29. April Abends das hauptquartier ist nach Presburg verlegt und somit ungarn beynahe geräumt. die Belagerung von comorn aufgegeben. Welden hat circa 50.000 1 Andrian blieb bis zur Auflösung Mitglied der Nationalversammlung, auch in den nament- lichen Abstimmungen des stuttgarter rumpfparlaments wird er weiter unter den unent- schuldigt fehlenden verzeichnet. die Angabe in heinrich Best und Wilhelm Weege, Bio- graphisches handbuch der Abgeordneten der frankfurter nationalversammlung 1848/49 (düsseldorf 1996), er wäre mit 30. märz 1849 ausgetreten, ist daher unschlüssig. nach den stenographischen Protokollen nahm er letztmals am 9. märz an einer Abstimmung teil, am tag darauf verließ er frankfurt. 2 die zweite kammer des preußischen landtags wurde am 26. April 1849, die sächsische landesvertretung zwei tage später aufgelöst. 3 die tageszeitung der Wiener Bote erschien seit 15.2.1849.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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