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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher268 einen langen Brief geschrieben,1 eine ehrliche haut mit wenig verstand. mich ekelt das ganze treiben über die maßen, und ich bin froh, hier nichts oder doch nicht viel von Politik zu hören. [Baden] 16. Juny Abends nach einigen regnerischen und kalten tagen haben wir nun sehr schönes warmes Wetter, ich bade täglich um 9 uhr früh, frühstücke dann irgendwo im freyen und gehe überhaupt soviel spatzieren als möglich. Abends trinke ich bey meinen schwestern thee, so vergeht meine Zeit ziemlich schnell und ruhig, ausgenommen, wenn mich der Ärger über die Weltereignisse und mehr noch die ungeduld über meine unfreywillige unthätigkeit packt. in ungarn noch immer nichts los, während die insurgenten sich immer mehr fanatisiren, und ein religiöser kreuzzug gegen die russen gepredi- get wird. Jellachich hat einen sieg in slavonien erfochten, dagegen haben wir in oberungarn ein paar kleine schlappen erlitten, inzwischen grassirt die cholera furchtbar, und die hitze wird den gesundheitszustand nicht bessern, und unsere Armee fängt an sich zu demoralisiren. nach allen sei- ten geht es schlecht oder doch nicht vorwärts, in italien, deutschland etc. mittlerweilen scheint sich um den kaiser eine immer compactere cama- rilla zu bilden, die nichts gutes verspricht, erzherzogin sophie (unsere marie Antoinette, absit omen) an der spitze, grünne, tini schönborn, frid. Auersperg etc. vor der hand wird (was übrigens vieles für sich hat) der hofstaat mit großer rücksichtslosigkeit reformirt und Alles, was nicht der kaiser, seine Ältern und Brüder sind, aus der Burg, ja sogar von Wien weg gewiesen. kaiser ferdinand nach Prag, die kaiserinmutter2 nach salzburg, erzherzogin marianne bleibt zum großen Jammer florens auf immer hier in Baden. Alles dieses geschieht auf sehr unzarte Weise, und erzherzogin sophie, die ihre macht nun recht fühlen läßt, hat sich ihre familie und den ganzen hof, ihren eigenen nicht ausgenommen, zu bitteren feinden gemacht. obwol dieses vergleichsweise unbedeutend ist, so sind es doch Anzeichen eines sich entwickelnden mächtigen Einflusses, der sich ohne schonung und leidenschaftlich geltend machen wird, und dem der junge kaiser lange nicht, wenn je, entwachsen wird. Um von mir zu sprechen, wird dieser Einfluß bey der bekannten Stim- mung jener Personen gegen mich wahrscheinlich gegen mich sich äußern, und so kann ich mich sehr möglicherweise darauf gefaßt machen, noch ei- 1 frh. hermann v. rotenhan an Andrian, rentweinsdorf bei ebern in Bayern, 4.6.1849 (k. 115, umschlag 664). 2 gemeint ist karoline Auguste, die vierte gattin und Witwe kaiser franz i., die nur ein Jahr älter war als ihr „stiefsohn“ kaiser ferdinand.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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