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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher276 in den reichstag fast lauter Beamte hineinzubringen, und wenn man nicht bey Zeiten vorbaut, so könnte dieses theilweise gelingen. ich war vorgestern über nacht in Wien, war froh, als ich wieder heraus kam, ein langweiliges unangenehmes nest, das Wien, fast nichts als fatale gesichter. ich war Abends ein paar stunden lang bey oettl. Auch er ist mit manchem unzufrieden, was seit einiger Zeit geschieht, zum theile aus andern gründen als ich, obwol auch er kein Bureaukrat ist, eher ein doc- trinär. Bach dürfte das Ministerium des Innern bald definitiv übernehmen, sobald er Jemanden für das Ministerium der Justiz findet.1 ich fürchte, schmerling wird sich dazu bereden lassen, ich fürchte es, denn hier würde ich vor der hand gerne mit schmerling gegangen seyn. im ganzen hat mir dieser letzte Besuch Wien’s einen trüben eindruck zurückgelassen. Alles Alte macht sich wieder breit, und niemand, we- der das Publikum, noch die Presse fühlt es, was uns eigentlich noth thut, selbstregierung und volkserziehung, besonders in letzterer Beziehung ge- schieht gar nichts, und das unterrichtsministerium ist in den händen des guten strohkopfes thinfeld.2 – – Auch rücksichtlich meiner scheinen mir wenig Aussichten auf eine befriedigende stellung und thätigkeit vorhan- den zu seyn, es wäre mir daran auch nicht so viel gelegen, wenn ich unter den jetzigen verhältnissen sichere Aussicht hätte, in den landtag gewählt zu werden (zu welchem Zwecke ich ja vornehmlich eine offizielle Stellung wünschte). so aber wäre es leicht möglich, daß ich auf längere Zeit unfrey- willig ins Privatleben zurücktreten würde. mais mon jour viendra. [Baden] 13. July ofen und Pesth sind am 11. von unsern truppen besetzt worden. debreczin hat sich den russen freywillig ergeben, welche auch neutra, die Zips etc. besetzt haben. Bey comorn haben die insurgenten am 11. wieder einen fruchtlosen Angriff auf haynau gemacht. die vereinigung dieses letztern mit Paskewitsch muß nun erfolgen. kossuth hat görgey, seinen bravsten general, abgesetzt und dembinski das commando übergeben. Auf den frieden mit Piemont wartet man sehnsüchtigst, doch immer vergebens. Alles schreyt Zeter gegen Bruck, welcher wirklich hierin und so auch in seinen unterhandlungen mit venedig große ungeschicklichkei- 1 Justizminister Alexander Bach verwaltete seit der krankheitsbedingten Amtsunfähigkeit von graf franz stadion auch das innenressort. 2 das unterrichtsressort war von innenminister graf franz stadion provisorisch geleitet worden. seit seiner Amtsunfähigkeit führte es neben seinem eigenen ressort der minister für landeskultur und Bergwesen ferdinand v. thinnfeld (nicht thinfeld). Am 28.7.1849 wurde graf leo thun zum minister des um die kultusagenden vergrößerten unterrichts- ressorts ernannt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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