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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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28311. August 1849 die sympathieen in england für ungarn nehmen immer zu. Pulszky und teleki manœuvriren gut, wobey ihnen freilich der krämergeist und der contrebandehandel über Belgrad zuhülfe kommt. Zum glücke ist dieses jetzt so ziemlich moutarde après diner. Der Friede mit Piemont soll geschlossen seyn, officiell ist zwar noch nichts, dürfte es aber in 1–2 tagen seyn. venedig hält sich fort und fort. Zwischen Preußen und der centralgewalt dürfte es zu offenem Bruche kommen, preußische truppen besetzen frankfurt, und der Prinz von Preu- ßen soll noch vor der rückkehr erzherzog Johanns aus gastein seinen sitz daselbst nehmen. da hätten wir also schon zwey gegenkaiser. inzwischen sitzt das unglückliche reichsministerium dort, in seines nichts durchboh- rendem gefühle,1 was soll aus der ganzen geschichte werden? das ist jetzt schwieriger vorherzusagen als je, jedenfalls vor der hand nicht viel gutes. ich habe nur noch 2 Bäder zu nehmen und kehre am 9. in die stadt zu- rück. unsere Journalistik bringt mich in harnisch, an kaffehhauspolitik, an sentimentalen tiraden kein mangel, um so mehr aber an praktischen Arti- keln, so z.B. jubeln die einen über die neuen organisationswerke, weil Bach in seinen vorträgen, womit er sie begleitet, einige liberale floskeln zum Be- sten gibt, und weil die verhaßte aristokratische Patrimonialjurisdiction da- mit zu ende geht, die Andern schweigen darüber. niemand aber begreift,daß damit nur eine ärgere Bureaukratie, als die frühere war, gegründet wird, und daß für das constitutionelle Wesen damit gar nichts gewonnen ist (im gegentheile), ja nicht einmahl der kostenpunkt erschreckt sie. ich schrieb neulich einen Aufsatz in diesem sinne und sandte ihn der ostdeutschen Post, die doch oppositionsblatt ist, aber er erschien noch nicht. Wien 11. August seit vorgestern bin ich hier und habe schon Zeit gefunden, mich zu langwei- len und die herrliche natur in Baden zu regrettiren. diese Beschäftigungs- losigkeit ist mir hier doppelt unleidlich, auf dem lande fühle ich sie weni- ger und habe auch mehr lust, mich mit studien, lektüre etc. abzugeben. die eigentliche ursache, weßhalb ich herein gekommen bin, ist, jetzt da die politischen organisation der kronländer in der Ausführung ist und da- her auch die statthalter etc. demnächst werden ernannt werden, meine Bereitwilligkeit zu zeigen, dem staate zu dienen, ich werde zwar natürlich weder bitten noch sonstige schritte machen, doch weiß man, daß ich mich zur disposition gestellt habe (bedingungsweise versteht sich), und daß ich jetzt hier bin, soll beweisen, daß ich meinen vorsatz nicht geändert habe. 1 Zitat aus friedrich schiller, don carlos, 2. Akt, 1. Auftritt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
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  1. Tagebücher 1848–1853 7
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