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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher304 die neue centralgewalt scheint fertig. erzherzog Johann tritt ab, wer österreichischerseits eintreten wird, weiß ich noch nicht.1 dabey betreibt Preußen sehr energisch die Berufung des reichstages für den engern Bun- desstaat, und dieser dürfte Anfangs februar zusammen treten. Wie man sieht und ich es immer sagte, ist nun der engere und der weitere Bund da, und Schwarzenberg, dieser fließpapierene Machiavel, wird trotz alles gepolters zur thüre hinausgeworfen, während er vor 8 monathen seine Bedingungen hätte dictiren können. es gibt nichts lächerlicheres als Je- mand, der gerne ein rechter Bösewicht seyn möchte, dem dieses aber nicht gelingt. Was mich betrifft, so ist meine cur fertig, und ich könnte fort, weiß aber für den Augenblick nicht wohin? ergibt sich nichts für mich, so gehe ich in 4–6 Wochen für den Winter in ein mildes clima, nach nizza oder nach egypten. übrigens soll, wie es nun heißt, die politische organisation doch bis 1. Jänner ins leben treten, und da sollte ich denken, daß dann bis dahin auch die Statthalter ernannt werden. Enfin nous verrons. heute kam, ganz unvermuthet, gottfried hier an, den ich seit 5–6 Jah- ren nicht gesehen habe, er führt einen Transport von Unteroffizieren nach Prosnitz als cadres für das neu zu errichtende husarenregiment kaiser. das punctum saliens meiner jetzigen existenz ist: fortwährende, durch nichts unterbrochene langeweile und unlust, mir fehlt eine practische thätigkeit. Wenn es überhaupt in meiner natur und meinen grundsätzen läge etwas zu bereuen, so würde ich jetzt bereuen, daß ich im may vorigen Jahres, als man mir die stelle colloredos in frankfurt anboth,2 sie nicht annahm, worauf schmerling sie erhielt. Wahrscheinlich hätte dieses meine ganze Wirksamkeit im vorigen Jahr in eine ganz andere Bahn geleitet. üb- rigens werde ich erst in einer viel späteren Zeit bestimmen können, ob mir dieses vortheilhaft gewesen wäre oder nicht. [Wien] 19. oktober Alles geht spottschlecht, und es gehört ein großer grad von sanguinik dazu, um nicht alle hoffnung einer befriedigenden lösung zu verlieren, das militärregiment dehnt sich immer weiter aus und scheint vor der Hand die definitive Regierungsform werden zu sollen. Radetzky (welcher übermorgen abreist) ist generalgouverneur von italien mit dem sitze zu 1 im sog. interim vom 30.9.1849 vereinbarten österreich und Preußen, dass sie die Zent- ralgewalt für den deutschen Bund im namen aller Bundesregierungen bis zum 1.5.1850 gemeinsam übernehmen. erzherzog Johann als reichsverweser trat dieser vereinbarung am 6. oktober bei, die übernahme der regierung durch die Bevollmächtigten der beiden mächte und der rücktritt des reichsverwesers erfolgten jedoch erst am 20. dezember. 2 Als Bundespräsidialgesandter in frankfurt, vgl. eintrag v. 12.5.1848.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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