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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher320 sagt mir, Bach selbst stecke dahinter (?). gewiß ist, daß Zerwürfnisse im kabinette herrschen, zwischen Bach und schwarzenberg, und auch sonst, so z.B. wird krauss von dem lloyd, Bruck’s organ, auf das leidenschaftlichste angegriffen. im ganzen sprechen sich jedoch fast Alle gegen eine Änderung im Ministerio in diesem Augenblicke aus, wo die definitiven Organisationen, welche so sehnlich erwartet werden, ins leben treten sollen. die landesverfassungen werden nächstens erscheinen, die statthal- ter und politischen Behörden sollen zum theile schon ernannt seyn, zum theile in diesen tagen ernannt werden, von mir ist dabey natürlich keine rede, da ich bisher noch durchaus keinen ruf noch Anfrage erhalten habe. in italien, selbst in venedig, wird die stimmung immer schlechter, und die neckereyen etc. vom Jahre 1847 fangen wieder an. dagegen scheint es in ungarn etwas besser werden zu wollen, und haynau dürfte sogar noch populär werden!! strasoldo ist vorgestern abgereist.1 ich ging heute, um endlich etwas Bestimmtes zu erfahren, zu Bach und, da ich ihn nicht fand, zu oettl, und trug ihm auf, Bach zu sagen, daß, da ich auf sein, schmerlings und Brucks Begehren hier geblieben sey, um seine Anträge zu erwarten, mir aber dabey ausdrücklich volle freyheit diese An- träge anzunehmen oder abzulehnen vorbehalten habe, so möchte ich nun wissen, was er mir anzubiethen Willens sey? damit ich für den fall, daß mir diese Anträge nicht annehmbar erscheinen sollten, meine dispositio- nen für den Winter treffen könne, indem ich durchaus nicht gesonnen sey, ohne motiv denselben hier zuzubringen. in ein paar tagen würde ich zu ihm oder zu Bach kommen, um die Antwort zu hören. vedremo. meine Artikel im Wanderer über die deutsche frage erregen Aufsehen namentlich im Auslande, ich werde am ende doch trachten, dieses Blatt fester an mich zu ketten, um so ein organ zu besitzen, welches zugleich so quasi offiziell meine Richtung repraesentirt, denn ich habe z.B. aus der Op- position der ostdeutschen Post gegen meine angebliche ministercandida- tur (wozu freylich kuranda’s persönliche gereitztheit gegen mich noch vom vorigen Jahr her viel beygetragen haben mag) leider gesehen, daß diese noch gar wenig gekannt ist. eine menge erscheinungen und symptome erinnern mich unwillkür- lich an die letzten monathe des Jahres 1847, und es ist mir manchmal, als müßte ich den gerüchten von einer abermaligen revolution im nächsten frühjahre, welche nicht nur hier, sondern in halb europa verbreitet sind, wirklich glauben beymessen. gewiß ist, daß der gegenwärtige Zustand der dinge ganz geeignet ist, das lager der radikalen zu verstärken und haß 1 graf michael strassoldo war zum chef der Zivilverwaltung in lombardo-venetien ernannt worden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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