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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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32511. Jänner 1850 Anstellung nichts, so denke ich ihn ganz zu übernehmen. nur muß in dem falle schwarzer, mit dem ich nichts gemein haben möchte, von der re- daction zurücktreten, vielleicht gelingt es, ihm einen consularposten zu verschaffen. krauss hat gestern einen sehr gutgeschriebenen vortrag über die fi- nanzlage veröffentlicht, ich zweifle, daß er trotz aller Geschicklichkeit damit die Welt täuschen werde.1 das facit desselben ist eine abermalige vermehrung des Papiergelds um circa 60 millionen. die Bankfrage und die heftige Polemik des „lloyd“ gegen die Bank beschäftigen jetzt sehr, man vermuthet hinter dieser Polemik Bruck und zwar aus eigennützigen per- sönlichen Motiven zu finden. in der deutschen frage scheint man sich endlich mit Preußen verstän- digt zu haben, d.h. man gibt nach, wie dieses schwarzenberg’s gewöhnliche manier ist, nachdem er eine Zeit lang geschimpft und getobt hat. erzherzog Johann soll dieser tage ankommen. dessenungeachtet dauern die Bewe- gungen der truppen an der sächsischen grenze fort. diese truppen aber sind hauptsächlich ehemalige honvéds und sollen den allerübelsten geist haben, vielleicht erklärt dieses jene Bewegungen. überhaupt fürchte ich, daß diese massen von abgestellten ungarischen insurgenten (darunter sehr viele Edelleute, ehemalige Offiziere, Juraten etc.) die ganze Armée inficiren dürften. [Wien] 11. Jänner Als ich neulich mit Bach sprach, schien er mir durch oettl, gegen den ich mich immer früher ganz ohne rückhalt ausgesprochen hatte, erfahren zu haben, daß mich seine Anträge nichts weniger als günstig gestimmt hätten. er bemühte sich sehr mich herumzubringen, sprach mir ein langes und Breites über seine Ansichten, Pläne etc., was er bisher gethan habe und noch thun wolle etc., kurz in seiner gewöhnlichen redseligen Weise, um so nicht zur ruhe gekommen und versöhnt ist.“ in der Außenpolitik wird indirekt die Abhän- gigkeit von russland kritisiert („wer nur einen verbündeten hat, hat unserer Ansicht nach beinahe einen herren gefunden“) und eine Annäherung an england gefordert („einen hun- dertjährigen Alliirten nicht leichtsinnig fallen zu lassen, und der leidenschaft nicht raum zu geben, wenn man auch die gerechtesten gründe zu vorübergehender unzufriedenheit haben sollte“). in der deutschen frage solle österreich den deutschen Bundesstaat nicht verhindern, da nur so „die revolution geschlossen, und der friede europas befestigt wer- den“ könne. das verhältnis österreichs zu deutschland sei dagagen als „enges, politisches und materielles Bündnis“ auf der grundlage der verträge von 1815 zu gestalten, „das ist Alles, was die ungeheure mehrzahl in unserm vaterlande will.“ 1 Wiener Zeitung v. 3.1.1850, 27–30: Allerunterthänigster vortrag des treugehorsamsten finanz-ministers über die weiteren maßregeln zur führung des staatshaushaltes, Wien 28.12.1849.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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