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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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34518. März 1850 gegen Zang dadurch sicher, daß ein leitendes comité aus mir, Becher, Zang und seidlitz durch einen schriftlichen vertrag aufgestellt wird, seidlitz die redaction übernimmt und nur durch Beschluß des comités entlassen wer- den kann. kurz, ich bin neugierig, wer bey dieser verhandlung den An- dern hinters licht führen wird. der patriarchalische vormärzliche Boden ist verlassen, und es herrscht nichts als die intrigue, man muß sich daher wehren, so gut man kann, übrigens hat meine intrigue das voraus, daß sie auf das allgemeine Beste, wenigstens was ich dafür halte, hinausgeht. das sagt freylich ein Jeder. herrmann und Becher wollen durchaus mit mir einen Anlauf auf die nächsten Wahlen (und im hintergrunde auf das ministerium) vorberei- ten. obwohl ich keine sehr hohe idee von ihrer capacität habe, so haben doch beyde einen bedeutenden Einfluß in einer gewissen Klasse hier, je les laisse donc faire und lasse sie manchmal bey mir zusammenkommen, bis jetzt ist noch nichts daran, doch kann vielleicht mit der Zeit etwas daraus werden. von meinem vorhaben, meine ideen über centralisation, decentralisa- tion etc. zu veröffentlichen, habe ich neulich einmal mit vorbedacht etwas fallen lassen, gestern nach tische nun redete mir oettl sehr dringend zu, ich möchte doch das nicht thun, keine verlegenheiten bereiten, noch früher mit ihm sprechen etc. – ! – ich antwortete: kein Bruder im spiele. die Wahlen in Paris und den departements sind socialistisch ausgefal- len, und was namentlich frappirt, ist, daß die Armée, diese unantastbare gottheit, socialistisch gewählt hat. das macht hier eindruck, die Papiere fallen, ich bin auf die nächsten Wochen in frankreich und fast mehr noch in deutschland begierig. Preußen und Bayern rüsten, frankreich und ruß- land sind es bereits, und wir stellen, wie ich höre, wieder mehr auf den kriegsfuß. Arme finanzen! ich rieche Banquerouteluft. fritz deym, der großprojectemacher, hat mir eine Brochure über einen unverdaulichen finanzplan übergeben, um ihren druck zu vermitteln, was ich auch gethan habe.1 heute Abend habe ich endlich den Propheten von meyerbeer gesehen, der seit einigen Wochen viel von sich reden macht, lang und großartig, aber langweilig. Wir haben jetzt einen sehr unangenehmen nachwinter, kalt (bis 8° r. un- ter 0°), windig und oft vorübergehende, wenn auch kurze und feine schnee- gestöber. die Blüthen, die schon an den Bäumen waren, sind erfroren. 1 friedrich deym, das Bank- und notenwesen in Bezug auf die geld- und finanzverhält- nisse in oesterreich (Wien 1850).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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