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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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34728. März 1850 chen worden, um Bach diesen rückzug abzuschneiden. Zang ist indessen nach Brünn, doch will ich nächster tage Bach um eine Antwort angehen. die Ausarbeitung meiner Brochure durch seidlitz erhalte ich größtentheils morgen und hoffe, sie dann bald vom stapel zu lassen, wahrscheinlich ohne meinen nahmen. schwarzenberg spielt sein unbarmherziges spiel mit dem deutschen michel unerschütterlich fort und hat sogar den Beytritt oesterreichs zum münchner entwurfe erklärt! also ein volkshaus, wo oesterreich unter 300, 100 stimmen hat. das kann nur spiegelfechterey seyn, um hinzuhalten, zu ermüden und Zeit zu gewinnen, denn daß ihm damit ernst sey, dafür halte ich selbst ihn für zu einsichtsvoll. ich habe nun nichts dagegen, daß man den michel, wann er einmal so dummgläubig ist und sich durchaus blami- ren will, anführt, vorausgesetzt daß dieses politisch weise ist. Allein dieses kann ich nicht glauben, eben weil ich glaube, daß die einheitsbewegung in deutschland nicht nachlassen wird und kann, und daß je länger die Befrie- digung hinausgeschoben wird, desto mehr der demokratie und republik in die hände gearbeitet wird, oder wenn nicht dieser, so Preußen, jedenfalls aber gegen oesterreichs vortheil. die jämmerlichste figur bey der ganzen sache spielt allerdings von der Pfordten. gestern verbrachte ich einen sehr angenehmen Abend en tête-à-tête bey frau todesco, die ich seit 11 monathen nicht mehr besucht hatte, bloß aus der fatalen Apathie und Aversion gegen jede tiefer eingehende conversa- tion und correspondenz, welche mich in dieser Zeit des mißmuthes, der Beschäftigungslosigkeit und des verletzten selbstgefühles beherrscht hat. ich habe mich immer mehr isolirt, und das war vielleicht nicht gut. [Wien] 28. märz gründonnerstag Abends Am 25. hatten wir wieder sitzung im ministerium, welcher auch der eben angekommene montecuccoli beywohnte, er erzählte mit großer frey- müthigkeit die unglaublichsten dinge von der in italien herrschenden mi- litairherrschaft, wo jeder stationscommandant (oft nur ein oberlieutenant) unumschränkter herr und Polizeydirektor ist, und das informationen- und Polizeyunwesen ärger als je vor 1848 grassirt. All das alte unzuverlässige Polizeygesindel ist wieder angestellt und, vom militair geschützt, mächti- ger als je. seit dem 25. war keine sitzung wegen montecuccolis erkrankung. Ähnliche dinge wie aus italien hört man aus ungarn, und noch viel är- gere aus siebenbürgen, überall Willkür, Anarchie und in folge dessen wachsende erbitterung der gemüther. hier sprengt man seit einiger Zeit wieder die wunderlichsten gerüchte aus (von verschwörungen gegen das leben des kaisers etc.), ob dabey Absicht von seite der radicalen, um
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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