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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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3493. April 1850 [Wien] 3. April die sitzungen wegen italien sind seit dem 25. wegen montecuccolis krank- heit ausgesetzt gewesen. übermorgen Abends soll die nächste seyn, was mir ungelegen kömmt, da gerade an diesem Abende ein dilettantentheater zum besten eines Judenspitals stattfindet, zu welchem ich durch die Pro- tection meiner freundinn henriette todesco eine karte erhalten habe. Bey dieser letzteren habe ich neulich wieder einen recht angenehmen Abend en tête-à-tête zugebracht, sie ist eine lebhafte geistreiche kleine frau, die vielleicht etwas nach originalität hascht, aber eben dadurch, wenigstens solange man sie nicht ganz genau kennt, amusant wird. Überhaupt finde ich die frauen der finance, deren ich jetzt erst mehrere kennen lernte, weit angenehmer und gebildeter als die weibliche Aristocratie, welche aus lau- ter natürlichkeit langweilig, dabey voller vorurtheile und kleinstädterey ist, so lernte ich neulich bey todesco in einer soirée eine frau von Werth- heimstein kennen, die eine ganz charmante frau ist, so frau von neuwall etc. Zu mathilde Berchtold, welche hier ist, gehe ich auch zuweilen, ins casino immer weniger und bald gar nicht mehr. Jellachich heirathet ein 15jähriges kind, die kleine stockau, nachdem er den ganzen Winter über caroline Waldstein, freylich mit ihrem Willen, affichirte. That is what no gentleman would do. Dieses und seine spott- schlechten gedichte, die jetzt eben erschienen sind,1 brechen ihm noch bey seinen letzten Bewunderern und besonders Bewundererinnen den hals – es ist ein gemeiner strick. gestern war ein großes militärisches fest auf dem glacis, wo der kaiser etwa 15 theresienkreuze (darunter Windischgraetz, haynau etc.) und an 20 médaillen vertheilte, er hielt dabey an Jene und diese zwei sehr kräftige Anreden, worin er unter andern sagte, oesterreichs Zukunft beruhe auf seiner Armée. Wenn das wahr ist, so frißt uns unsere Zukunft auf. denn die finanzen werden immer schlechter, und schon fangen die Banknoten möchten. Dagegen sollten B[ach] und Sch[merling] kräftig wirken; unterlassen sie’s, so werden sie bald, um mich eines einst beliebten Ausdruckes zu bedienen, dann so unmög- lich sein wie ich und Andere mehr. sie irren sehr, wenn sie meinen, in dem von ihnen ge- schaffenen Beamtenheere eine Macht zu besitzen; neun Zehntheile derselben hängen dem alten Beamtenstande an, sind von neid und eigendünkel voll und verabscheuen die neuen Institutionen; sie werden daher gut thun, diese Hydra zu fesseln, indem sie Männer an die spitze der verwaltungen stellen, welche dem constitutionalismus, in soweit er in oester- reich möglich ist, aufrichtig ergeben sind. übrigens werden sie sich auch selbst dann nicht lange halten, wenn sie die Verfassung ein Automaton sein lassen; sie ist auf diese Weise eine fiction, die immer populairer wird und geraden Weges einer zweiten gefährlicheren revolution in den rachen läuft. […] eine lächerliche democratenangst […] lähmt die bes- ten kräfte und verhindert jede lebendige organisierung.“ 1 die erste nachweisbare selbständige veröffentlichung seiner gedichte erschien erst 1851.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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