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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher358 und unverfänglich gehalten und bloß meine persönlichen (ohnehin bekann- ten) Ansichten ganz kurz ausgesprochen. An doblhoff schrieb ich gestern eine lange epistel. manz wird ihm meine Brochure von leipzig aus zuschicken. die Allerhöchste entschließung in kirchensachen ist erschienen, sie hebt das Placetum auf, stellt die Bischöfe ganz unabhängig und als abso- lute herren des unteren clerus hin, welcher letztere also feuer und flam- men speyen wird.1 dasselbe thun schon jetzt alle unabhängigen Journale jeder farbe, und alle vernünftigen, die Beamten und männer des früheren systems voran. die sache wird sehr ernste folgen haben. es ist ein sau- ministerium. eine neue unvorhergesehene verlegenheit ist plötzlich aufgetaucht: in england will der dortige handelsstand aus furcht eines herannahenden österreichischen staatsbankerottes den Wechselverkehr hieher einstellen (und hat daran nicht so sehr unrecht). das gäbe eine ganz unberechenbare complication. [Wien] 28. April das erscheinen der Brochure ist um ein paar tage verzögert worden, und sie ist daher erst seit 3 tagen im Buchhandel. Alle, von denen ich bisher darüber hörte, stimmen mir bey, einige ungarn ausgenommen, welche den ganzen (jetzt glatterdings unmöglichen) vormärzlichen separatismus zurück haben wollen, aber natürlich diese ihre arrière-pensée nicht aus- zusprechen wagen. die hiesigen Blätter haben bisher nur Auszüge, keine kritiken geliefert. übrigens ist das hauptthema (welches also die Aufmerksamkeit einiger- maßen ablenkt) gegenwärtig die kirchenfrage, die opposition gegen die un- glückseligen gesetze dieser letzten tage wird immer allgemeiner, ernster und lauter. thun hat sich todtgeschlagen und vielleicht (gott gebe es) das ganze ministerium mit. Alles, militair, schwarzgelbe, Beamte, radicale, gemäßigte etc. macht chorus gegen die minister, und der niedere klerus am heftigsten. Zugleich wird der passive Widerstand in ungarn und die herzzerreißen- den klagen aus siebenbürgen immer stärker, kurz das maaß der dumm- heit und Jämmerlichkeit ist voll, und doch wird, wie ich glaube, von die- sem Wege nicht abgegangen werden, denn es fehlt die treibende kraft, wie 1 die kaiserliche verordnung vom 18.5.1850 regelte das verhältnis der katholischen kirche zur staatsgewalt, jene vom 23.4.1850 ihre Beziehungen zum öffentlichen unterricht. Beide verord- nungen wurden am 1. mai gemeinsam mit den erläuternden alleruntertänigsten vorträgen des unterrichts- und kultusministers graf leo thun im reichsgesetzblatt veröffentlicht.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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