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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher366 schwarzenberg wird dadurch um nichts freundlicher werden. es fehlte nun nur noch, daß ich von england, resp. Prinz Albert, einen orden als ehemaliger reichsgesandter erhielte, wovon schon die rede war. das große ereigniß ist die Abberufung des französischen gesandten aus london wegen der unwürdigen filouterie Palmerstons in der griechischen frage,1 natürlich jubelt man hier in der staatskanzley, doch wird sich die Sache wohl bald beylegen, es ist aber eine vortreffliche Diversion für Paris, wo man ernstliche unruhen wegen des neuen Wahlgesetzes fürchtete. Der Finanzausweis ist erschienen, pro 1849, das Defizit beträgt 141 Mil- lionen, die einahmen 144, die Arméeauslagen allein 157!! Ich war vorgestern, Pfingstsonntag, mit Deym in Baden, wo Gabrielle seit heute wohnt. [Wien] 1. Juny Abends es waren in den letzten tagen so üble nachrichten aus venedig über ru- dolph troyer gekommen, daß ich der jammernden familie den Antrag machte, seine schwestern dahin zu begleiten. dieses wurde mit großem danke aufgenommen (und die ganze stifts- und hofdamensippschaft er- weichte sich ob des guten herzens des radikalen), und mittwoch früh den 22. ließ man mir sagen, man würde noch denselben Abend davon gebrauch machen. meine Anstalten waren bald gemacht, und am 22. Abends, eben als der kaiser zurückkam, fuhren wir ab, rudolphine, constance und ich, ohne Aufenthalt auf der eisenbahn bis laibach und von da mit separatwa- gen nach triest, wo wir am 24. um 1/2 6 uhr früh ankamen. das dampf- schiff ging zwar um 6 ab, doch wurde beschlossen einen tag auszuruhen. indessen ersparte mir franz Wimpfen (nicht ohne mein Zuthun) die fahrt über das meer, indem er einen bekannten oberstlieutnant lutterer sammt frau und tochter, die an eben dem tage, dem 25. nach venedig fuhren, als substituten stellte. Am 24. regnete es fast immer, am 25. früh begleitete ich die cousinen aufs schiff und empfahl mich, mußte aber noch bis 8 uhr Abends in triest bleiben und langweilte mich die 2 tage in der gräulichen stadt ganz entsetzlich. Am 25. Abends fuhr ich ab, war am anderen morgen in laibach, wo ich Bekannte aufsuchen wollte, aber niemanden antraf, da sie zufällig eben abwesend waren. ich fuhr also um 2 mit einem sonntagstrain bis littay, wo ich 6 lange lange stunden zubrachte, spatzieren ging und mich herz- 1 hintergrund der Abberufung des französischen Botschafters edmond drouyn de lhuys war ein Konflikt über das einseitige Vorgehen Englands bei der Durchsetzung von Forde- rungen britischer staatsbürger gegenüber der griechischen regierung ohne einbeziehung der beiden übrigen schutzmächte russland und frankreich.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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