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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher370 unglückte fiction des rindviehes schwarzenberg ist ebensowenig juridisch als politisch haltbar. [Wien] 15. Juny ich bin diese tage über ziemlich beschäftiget gewesen, erstlich damit, für den fall der landtagswahlen (welche denn doch ziemlich nahe zu seyn scheinen) mein Wahlrecht activ und passiv festzustellen, was nicht so ganz leicht war, da eine ministerielle erläuterung nach der andern kömmt und jede mehr hindernisse in den Weg wirft, namentlich da ich wünschte, in niederoesterreich gewählt zu werden, um so mehr als dieses das land ist, wo ich am allgemeinsten bekannt bin, seit ich dem görzischen ganz fremd geworden bin. endlich habe ich die sache ins reine gebracht, habe meine Einkommenssteuerfassion eingegeben und per un dippiù1 das Bürgerrecht der Stadt Wien begehrt. Erhalte ich dieses (und ich zweifle nicht daran, obschon die spießbürgerey hier ihren stolz und exclusivität gerade gegen Adelige am liebsten geltend macht), so bin ich vollends gesichert. Auch die Abfertigung der bereits erwähnten circularien hat mich beschäftigt, ich bin zwar mit ihrer Abfassung nicht recht zufrieden, weil sie mir zu persönlich und zu wenig in die sache eingehend erscheinen, doch sind sie immer gut, um einen Anstoß zu geben. Am 20. wird das Probeheft des „landtages“ und zwar in zahlreichen Abdrücken verschickt,2 dazu auf meine veranlassung ein ähnliches circular, dieses wird dann dem ersten den gehörigen nach- druck geben. Am 20. kommen kaisersfeld und Belcredi hieher, und wir ge- hen tags darauf zu stift auf sein gut bey krems, wo unsere Besprechung stattfinden soll. Letzterer ist ungeheuer activ und gereizt, meint, die Presse sey ein viel zu langer Weg, man müsse einen kürzeren und wirksameren einschlagen. seine idee, wenigstens wie er sie mir hier erörterte, ist die einer Adresse in der Art der 24 ungarn.3 Aber dazu müssen wir erst eine Partey hinter uns haben, da wir keine bey hofe beliebten nahmen voran- stellen können, und jenes kann aber nur nach und nach geschehen.4 1 per un di più – gleichzeitig. 2 gemeint ist die von einer gruppe um franz v. kalchberg und moritz v. kaiserfeld geplante grazer Wochenschrift. 3 Zur denkschrift der ungarischen Altkonservativen siehe eintrag v. 19.4.1850. 4 frh. Andreas v. stifft an Andrian, 8.6.1850 (k. 114, umschlag 663): „diejenigen welche aus überzeugung und nicht aus Privatinteressen eine Aenderung in den Prinzipien wün- schen, haben, wenn sie wirklich nützen wollen, keine Wahl, sie müssen den kurzen Weg einschlagen und nicht auf langen umwegen die Zeit versplittern, die zum handeln drängt. den langen Weg nenne ich die Presse, und ich glaube auch nicht zu irren, wenn ich ihre Wirkung überhaupt für eine zweifelhafte halte. die lenker unserer geschicke haben schon lange aufgehört auf sie zu achten, und was sie bringt, ist so ziemlich sicher ohne erfolg zu bleiben, wenn es nicht gefällt d.h. in den kram taugt. […] sie scheint mir daher nur ne-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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