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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher374 Zsédényi war ein paar tage hier und mehrmals bey mir, eine gemeinsame demonstration in der Art wie die denkschrift der 24, nur energischer, wäre gut, wenn nur den ungarn zu trauen wäre. ich bin Pessimist geworden, daher sollte es mich freuen, wenn das mini- sterium, wie es den Anschein hat, mit den Protestanten (in und außerhalb ungarn) anbinden wollte. über diesen Widerstand könnte es nicht hinweg. freylich würde es in diesem falle eben retractiren. mit leuten, die gar keine consequenz, sondern bloß liebe zum Portefeuille haben, läßt sich nichts berechnen. nach dem 3. werde ich wahrscheinlich abreisen können, auf einige Wo- chen – wohin? weiß ich nicht und gilt mir gleich, eins ist so langweilig wie das Andere, aber es ist doch eine Abwechslung, solange ich nicht thätig- keit, und hinreichende Thätigkeit finde, werde ich immer gelangweilt und ohne interesse umherwandeln wie unter chinesen. [Wien] 4. July den 28., 29. und 30. brachte ich in Baden zu und genoß die schöne Wit- terung und die freye luft. diese herrliche gegend und das dortige leben wirken immer wohlthuend und erheiternd auf meine stimmung, welche hier in Wien durch Alles, was ich sehe und höre, jedesmal auf eine harte Probe gestellt wird. einen nachmittag machte ich dort mit flore und lisa drascovich eine recht angenehme Promenade. Am 2. Abends fuhr ich wieder hinaus, und am 3. früh kamen frank, kaisersfeld, stifft und Belcredi, wir hatten eine 4–5 stündige Besprechung, worin die frage der centralisation und decentralisation, wie sie auf den bevorstehenden landtagen behandelt werden soll, scharf durchgesprochen wurde, ich fand in den steyermärkern entschiedene Anhänger, ja manch- mal sogar hie und da über meine Ansichten hinausgehend, dagegen in stifft einen zwar nicht im Principe, aber doch in dessen Anwendung besonders auf finanzfragen gewappneten opponenten. endlich ward beschlossen, daß ich und stifft einen vollständigen revisionsentwurf der landesverfas- sungen ausarbeiten und in die Provinzen versenden sollten, worauf dann nach einer angemessenen frist, etwa gegen mitte August, eine abermalige Besprechung auf einer ausgedehnteren Basis stattfinden soll. Weiters soll vor der hand nichts unternommen werden, zu einem An- griffe auf das Ministerium fand man (und finde ich) die Dinge noch nicht reif, es fehlt ein schlagender Anlaß, und wie es allmälig immer tiefer in koth und mißachtung versinkt, so sey es das Beste, es gewähren zu lassen und einen günstigen Zeitpunkt abzuwarten. mit der Wochenschrift steht es aus mangel an gutem materiale ziemlich übel, doch habe ich kaisersfeld muth zugesprochen und hoffe, daß bald we-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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  1. Tagebücher 1848–1853 7
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