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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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37927. Juli 1850 Art von Bulldog brauchen kann, er ist zu leidenschaftlich und seiner natur nach demokrat und voltairianer. An gyulais stelle ist csorich kriegsminister geworden. von grünnes rücktritt, den man vor 8 tagen sehr nahe glaubte, ist wieder Alles stille, und ich glaube nicht eher dran, als er in der Wienerzeitung steht. der junge kaiser ist zu fest umgarnt, schöne Aussichten in die Zukunft! es scheint denn doch, als ob mit nächstem an die stelle des bisherigen militairischen eine neue Art von Ausnahmszustand treten werde, in den händen von mit discretionärer gewalt ausgestatteten civilbehörden. man wird darüber erst bey seinem erscheinen urtheilen können, jedenfalls ist er noch weit inconstitutioneller als der militairische, weil weniger zu rechtfer- tigen, es bleibt wirklich nichts Anderes übrig als zuzusehen, wie sich diese ganz kopflose Willkürherrschaft selbst den Hals bricht, und höchstens ge- legentlich nachzuhelfen. Was darunter am meisten leidet und in erschrek- kender Weise an terrain verliert, das ist das monarchische Princip, quos deus perdere vult, dementat. eine halbe stunde nach meiner Ankunft erhielt ich heute eine Botschaft von lucile grahn, welche heute hier ankam und morgen wieder abreist. ich führte sie diesen Abend nach schönbrunn, wo wir lange im garten spatzie- ren gingen, und nahm dann Abschied, da ich morgen nach Baden hinaus fahren will, es war eine recht angenehme erinnerung an längstvergangene Zeiten. eines aber ist mir nun ganz klar geworden: ich muß heirathen, erstlich als Beschäftigung für die nächste, wahrscheinlich noch ziemlich lange un- beschäftigte Zeit. Zweytens aber, um Boden und Wurzel in irgend einer Pro- vinz zu gewinnen, ich bedauere jetzt, daß ich mir diesen in einer, freylich der unwichtigsten, vor einigen Jahren selbst abgeschnitten habe.1 freylich drängte mich die nothwendigkeit dazu. füred (am Plattensee) 27. July vormittags Am 21. war ich in Baden und blieb dann noch 2 tage in Wien. man sprach von einer ministerkrisis, da schmerling an die übertragung des ober- gerichtshofes von verona nach Wien sein verbleiben gebunden hatte und überstimmt worden war.2 Bach war sein hauptopponent, theils aus 1 gemeint ist der verkauf seines Anteils am familiengut Papariano in görz. 2 Justizminister Anton v. schmerling hatte den gesetzentwurf über die errichtung des obersten gerichts- und kassationshofs am 8.7.1850 im ministerrat eingebracht. er sah ein für das ganze Reich einheitliches Höchstgericht in Wien und damit die Auflösung des für lombardo-venetien zuständigen senats in verona vor. schmerling argumentierte neben der notwendigkeit der einheitlichkeit des gerichtswesens vor allem mit der negativen vor- bildwirkung auf ungarn und kroatien, sollte der senat in verona bestehen bleiben. innen-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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